ADHS Vorurteile und Unwissen : Teil 1

in adhs •  10 months ago

ADHS ist (k)eine Krankheit

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ADHS ist real

Wer die Existenz von ADHS als häufigste Kinder- und jugendpsychiatrische Störung in Frage stellt, hat meist selber nie Kontakt mit betroffenen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen. Das "Wissen" wird durch eigene Meinungen ersetzt. Oder besser gesagt durch Vorurteile.

Eine Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und Experten-Konsens bzw. den Erfahrungen der ADHS Selbsthilfe unterbleibt. Die Anzahl der wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien auf Pubmed wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum ADHS-Spektrum ist kaum noch zu überblicken. Diese ganze Arbeit bzw. jeweils aktualisierten Konsens der Fachleute nehmen aber die "ADHS-Kritiker" überhaupt nicht zur Kenntnis.

Es macht keinen Sinn mit solchen "Leugnern" in eine Diskussion zu gehen. Don´t feed the troll. Aus meiner Sicht hilft da eigentlich nur, mit Aufklärung und Sachlichkeit die anzusprechen, die ernsthaftes Interesse haben und sich informieren wollen.

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ADHS ist ein Syndrom

Zunächst einmal ist - wie bei allen psychischen Störungen - eine Aufmerksamkeits-/Hyperaktivätsstörung eine Ansammlung von bestimmten Wahrnehmungs- und Verhaltensbesonderheiten, die im individuellen Lebenszusammenhang (Kontext) zu Abweichungen der Entwicklung und Teilhabe im Leben verursachen. Das wiederum wird zu einem Leidensdruck bzw. negativen Folgen für die betroffenen Kinder, Jugendliche und Erwachsenen führen.

Man kann sich gut und gerne darüber streiten, ob nun ADHS ein glückliche Bezeichnung ist. Aus meiner Sicht natürlich NICHT, da es so herzlich wenig mit einem Defizit an Aufmerksamkeit zu tun hat. Aber noch weniger mit "Zappeligkeit". Die Zuordnung zu einer Diagnose ist insofern eigentlich nur deshalb notwendig, weil darüber dann eine Abrechnung diagnostischer und therapeutischer Leistungen in unserem Krankenkassen-System erfolgen kann.

Du bist nicht ADHSler und Du hast nicht ADHS

Letztlich ist es also eine Bezeichnung, die wenig über das Individuum aussagt. Man IST also nicht ADHSler. Die Besonderheiten von ADHS sind vielmehr ein (mehr oder weniger kleiner) Teil der individuellen Persönlichkeit.

Man "hat" auch nicht "ADHS" bzw. bekommt es nicht - aber verliert es auch nicht. ADHS ist eine angeborene Veranlagung = Disposition. Ob diese Veranlagung sich nun im Sinne einer Benachteiligung = Handicap oder gar Krankheit bis hin zur schwerwiegenden Behinderung auswirkt, zeigt sich eben erst individuell. Leider ist es aber eben so, dass Unwissenheit bzw. dann irrsinnige Erwartungen an die Kinder seitens ihrer Eltern bzw. Erzieher und Eltern dazu führen, dass es durch Anpassungsversagen zu Behinderungen bis hin zu Traumata kommt. Man verlangt von den Kindern häufig Leistungen, die sie aufgrund ihrer Entwicklungsverzögerungen der Selbstorganisation bzw. der anderen Art der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung gar nicht leisten können

Stärken bei ADHS

Die bloße Existenz dieser Merkmale auf einer Liste bzw. Fragebogen sagt überhaupt nichts darüber aus, ob daraus ein Krankheitswert entsteht. Ganz wichtig ist auf jeden Fall, dass sich sowohl Beeinträchtigungen, aber auch durchaus jede Menge Stärken und eine ganze Fülle von liebenswerten Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Kreativität, Empathie etc entwickeln können und werden.

ADHS ist keine Störung - aber ADHS verursacht Störungen

Die blosse Existenz von einer bestimmten Anzahl von ADHS-Merkmalen sagt also überhaupt nichts über eine etwaige Krankheitswertigkeit aus. Aber klar ist auch : ADHS kann bzw. wird häufig Störungen der Entwicklung und des Selbstwertgefühls auslösen. Und dies eben lebenslang und häufig so, dass es nicht oder viel zu spät erkannt wird.

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Quelle des Fotos Caroline Hernandez

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Stimme dir in sehr vielem zu. Ich beobachte immer mehr mit Sorge das man den Kindern eine "Krankheit" andichten will die ein Symptom von nicht kindgerechter Gesellschaft ist. Allerdings gibt es tatsächlich Kinder die wirklich grosse Probleme mit Nervosität und Anspannung haben und Hilfe brauchen die über Bewegung, weniger Bildschirmkonsum und co hinaus geht.

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Ich engagiere mich sehr lange u.a. für eine andere Sicht der Dinge u.a. bei Tokol ev. mit Freizeiten für Kids aus dem ADHS und Autismus-Spektrum. Es geht mir nicht um das Andichten, aber auch nicht um das Leugnen von Problemen und Behinderungen. Dazu habe ich, meine Kinder aber auch viele meiner Patienten einfach zu viel negative Dinge erlebt. In meinen Vorträgen betone ich aber IMMER die positiven Aspekte. Die Probleme entstehen eigentlich ja eher, weil Stinos = neuotrypische Menschen so abwertend und unsensibel damit umgehen, wie wir sind.

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Wenn schon 9-jährige Kinder mit eigenem Smartphone rumlaufen, muss man sich über die Zunahme von ADHS-Diagnosen nicht wundern. Allerdings sind das eben keine Fehldiagnosen, sondern die allgemeine Beschleunigung der Umwelt im 21. Jahrhundert führt dazu, dass sich vermehrt der bisher subklinische Teil des ADHS-Spektrums von der Latenz in den sichtbaren und pathologischen und damit medizinisch relevanten Bereich verschiebt.

Ich denke auch, dass es nicht immer zu einer Störung kommen muss - je nachdem in welchem Umfeld man aufwächst und wie man gefördert wird. Finde deinen Blog ganz toll und dass du hier auf Steemit auch hilfreiche Infos vermittelst. :)

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Danke für das Kompliment ! Tut auf jeden Fall gut und motiviert weiter :-)

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Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: MEDIZIN: Psychopille & Pausenbrot - DER SPIEGEL 26/2013
Der evolutive Vorteil von ADHS-Genen ist im Ausmaß abhängig von den Umweltbedingungen. So gibt es Länder, Ethnien und Kulturen, die ADHS-Gene und ADHS evolutiv begünstigen (während andere es entsprechend benachteiligen). So erklären sich auch die in Wahrheit weltweit deutlich unterschiedlichen Prävalenzen von ADHS, die macherorts wahrscheinlich ein Mehrfaches der bis zu 10% in Deutschland erreichen. Zusätzlich zum Faktor evolutive Selektion kommt dann bei den ADHS-Prävalenzen noch der Faktor geographische Isolation hinzu, so auch betrffend wahrscheinlich die Inseln bzw. Inselgruppen Island, Kreta und Japan .
Dass die Umweltbedingungen des 21. Jahrhunderts ADHS verstärkt von der Latenz in den sichtbaren Bereich rücken, versteht sich ebenfalls.
So viel zur Evolutionären Anthropologie der ADHS.
Was die Akzeptanz von ADHS erschwert, ist der sperrige Begriff aus 4 Großbuchstaben. Der Begriff “Autismus” (hier noch erwähnenswert: bis zu ca. 50% der Patienten mit Asperger sollen ebenfalls ADHS haben) z.B. ist viel weniger sperrig und flüssiger.
Es wird mitunter von ADHS-Gegnern diverser Couleur argumentiert, dass sich hinter ADHS diverse andere Psychische Störungen verbergen können und es ADHS somit quasi gar nicht gäbe. Die Wahrheit ist viel eher: Hinter FAST allen anderen Diagnosen in der Psychiatrie KANN sich ADHS als kausale oder komorbide Störung verbergen. So auch z.B. die Prognose von Russel Barkley , dem weltweit renommiertesten Wissenschaftler zu ADHS , dass sich das ADHS-Spektrum irgendwann einmal als das zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird.

Man muss dazu noch sagen, dass bei einem Geschlechterverhältnis von in Wahrheit 1:1 und einer Persistenz von zumindest einer Restsymptomatik in in Wahrheit 100% der Fälle die Prävalenz von ADHS in Deutschland bis zu 10% der Bevölkerung beträgt.
Natürlich ist ADHS nicht Alles-oder-Nichts, sondern eine dimensionale wie auch eine kategoriale Angelegenheit, d.h. es gibt ganz leichte und ganz schwere Fälle und es gibt auch bei ca. gleichem Schweregrad Unterschiede auch in der Neurobiologie. Zudem KÖNNEN (nicht müssen) FAST alle anderen Störungen der Psychiatrie bei ADHS als Komorbidität vorkommen. Z.B. wird geschätzt, dass mehr als 1/3 der Patienten mit Schizoaffektiver Störung / Schizophrenie ebenfalls ADHS hat, bei Depression, “Burnout”, Borderline, Alkoholismus etc. ist es ähnlich.
Der angeborene Part bei den multifaktoriellen Erklärungsmodellen zur Pathogenese Psychischer Erkrankungen geht auch mehr und mehr zu den Hirnentwicklungsstörungen und ADHS ist die mit Abstand häufigste Hirnentwicklungsstörung aufgrund der evolutiven Vorteile, die ADHS-Gene bzw. mitunter auch phänotypisch manifestes ADHS haben können.

So viel zu der Frage, ab wann ADHS eine Krankheit und keine Persönlichkeitsvariante mehr ist...

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Das Outcome bei ADHS bzw. der Krankheitswert von ADHS ist dann neben dem Schweregrad auch abhängig von der Sozialisation. Und dabei kann man eben Glück haben oder aber Pech haben. Wenn jemand mit ADHS z.B. von sich aus es nicht schafft, die Fahrausbildung für den PKW-Führerschein zu absolvieren, so ist das in meinen Augen auch bei maximalem Schweregrad von ADHS zurückzuführen nicht auf ADHS, sondern auf eine sozialisationsbedingte Selbstwirksamkeitsstörung oder komorbide Angststörung oder Depression. Man muss Verständnis für ADHS-Betroffene mit "schwierigen" Biographien haben, die sich mit ADHS als behindert betrachten und die damit ihre inneren Konflikte beseitigen und sich "entlasten" im Sinne eines primären Krankheitsgewinns. Ein reines ADHS ohne Komorbiditäten ist definitiv keine Behinderung und ich bin kein Fan von Selbstverzwergung.

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Da würde ich durchaus zustimmen. Oder eben noch genauer : Ich glaube, dass ADHS mit Krankheitswert fast immer mit einer dissoziativen Störung einher geht. Die lebenslangen Anpassungsversuche an die "Normalwelt" und die dadurch ausgelösten Hilflosigkeitserfahrungen machen die Krankheit aus. Nicht die ADHS-Konstitution selber.

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zur ADHS-Konstitution: "...Cultural anthropologist Jay Fikes, Ph.D. , points out that members of traditional Native American hunting tribes normally behave differently from those who have traditionally been farmers. The farmers such as the Hopi and other Pueblo tribes are relatively sedate and risk-averse, he says, whereas the hunters, such as the Navajo, are "constantly scanning their environment and are more immediately sensitive to nuances. They´re also the ultimate risk takers. They and the Apaches were great raiders and warriors."...." auf das bin ich heute gestoßen, als ich nach "apaches adhd" gegoogelt habe, ist aus "ADHD and the Edison Gene" von Tom Hartmann von 2015. https://books.google.de/books?id=wmAoDwAAQBAJ&pg=PT35&lpg=PT35&dq=apaches+adhd&source=bl&ots=IaN44q3PjI&sig=zpHVZCAyXQ20IcxkObibPzLlbKE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwji3svrw5DYAhXSFOwKHds2ADwQ6AEIeTAN#v=onepage&q=apaches%20adhd&f=false "Apache" bedeutet meines Wissens "Fremder", hatte möglicherweise, sofern meine Informationen korrekt, auch mit der Völkerwanderung dieser Ethnie aus Alaska zu tun. Wie sagt schon Prof. Andreas Reif von der Uni-Psychiatrie Frankfurt zu ADHS und Evolution: "...die dann aber auch ein Gebirge überquert haben..." Ein "Unruhe" und "Rastlosigkeit" muss nicht nur rein kulturell bedingt sein bzw. was war zuerst, die Biologie/ Gene oder die Kultur - Henne-Ei-Problem... Speziell zu den Apachen und ADHS habe ich ja nun so manches schon gehört und ich nehme Gift darauf, dass der bis heute nachhallende legendäre Ruf der Apachen im 19. Jahrhundert nicht durch Zufall entstanden ist. Diplomatie war aber leider tendenziell nicht so das Ding bei dieser unangepassten, freiheitsliebenden Ethnie im 19. Jahrhundert und "die" Apachen (es gibt wie immer solche und solche) standen am Ende des 19. Jahrhunderts kurz vor dem Genozid durch US-Amerika und Mexiko...

...Sie sollten das Thema ADHS und Evolution einmal ernsthafter thematisieren, Herr Winkler, möglicherweise kann man sich dabei jedoch ganz schnell die Finger verbrennen bei dem Thema...

Vorerst mal ein großes DANKE das du dich mit den Thema sehr intensiv beschäftigst.
Muss mir deinen Blog bzw. deine Seiten erst genauer anschauen.

Irgendwie ist es ja um ADHS kommt mir zumindest so vor in meiner umgebung wieder ruhiger geworden.
Viele Eltern glaubten ja damals das ihre Kinder ADHS haben.
Hatten sie nicht zumindest nicht alle, den ein Zappelphilip hat nicht automatisch ADHS.
Auch so umgekehrt wenn jemand nicht zappelt heißt das auch nicht das er automatisch kein ADHS.
Genauso ist das auch mit den konzentrien, anscheinend haben viele vergessen wie sie waren als Kind nur hat man sich früher eben noch weniger Gedanken gemacht.
Finde es aber wichtig das man Aufklärt und so die wirklich leiden, eigentlich ein blödes Wort leiden.
Klar leiden Kinder auch Erwachsene drunter.
Was man auf jedenfall versuchen sollte ist auf die Kinder eingehn und nicht gleich mit Medikamente vollstopfen damit sie ruhig werden.
Mittlerweile gibt es ja verschiedene Ansetze damit es den Betroffenen besser gehn kann.

Werde dir auf jedenfall mal hier weiter folgen, damit ich auch noch etwas mehr Erfahre.

Zum Abschluss hab ich noch ein nettes Lied für dich das war vor vielen Jahren mal bei "Kinderen voor Kinderen" dank Youtube und Co bleiben aber solche Lieder greifbar, vielleicht kennst du es auch wenn es nicht auf Deutsch ist verstehn kann man es trozdem :) .

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Ich habe über 20 Jahre lang (vom 9. Lebensjahr bis zum 30. Lebensjahr) Methylphenidat genommen. Ich kann nicht erkennen, ich welcher Form mir das hinsichtlich Geist und Psyche geschadet hätte. Abseits davon war es mir nur durch diese Medikation möglich, mein Einser-Abitur und den Abschluss meines Studiums zu erreichen. Ohne diese Medikation wäre ich möglicherweise vorher als “Penner” auf der Straße gelandet. Leider werden bei solchen Themen ja schnell (Vor-)Urteile und Beurteilungen gefällt anhand von Hörensagen, oder weil irgendwer mal irgendwas in der Richtung gesagt hat. Ich hatte gehofft, man wäre in diesem Land da mittlerweile doch etwas weiter.

Was diese ganze Hirndoping, Neuro-Enhancement,-Gespensterdebatte angeht, diese wird ja vor allem in der linken Hälfte des politischen Spektrums gerne aufgegriffen und für pauschale Kapitalismus-Kritik verwendet, nach dem Motto: “Die Mama von dem ADHS-Kind, die will halt zu viel vom Leben und wenn sie nicht ihre 3 Nebenjobs gleichzeitig machen würde, um sich die 3-malige Urlaubsreise pro Jahr zu finanzieren, dann hätte sie auch wieder mehr Zeit für das ADHS-Kind und das ADHS-Kind bräuchte dann kein Ritalin mehr.” Zuwendung statt Ritalin. Ja, schön, wenn es so einfach wäre. Solche ad-hoc Verurteilungen, die kamen in der Vergangenheit oft gerade von linksliberalen Journalisten wie Guido Bohsem von der Süddeutschen, die einer wohlhabenden städtischen Elite bzw. Münchener Schickeria angehören und die sich im Gegensatz zu den allermeisten Familien in Deutschland tatsächlich eine 3-malige Urlaubsreise im Jahr leisten können.
Es wir letztendlich bei dieser Gespensterdebatte um Hirndoping das komplexe Thema ADHS und Ritalin (und um nichts anderes geht es dabei, Modafinil ist sehr nachrangig und dient nur als Alibi, um zu verschleiern, dass es nur um Ritalin geht) vermischt mit pauschaler Kapitalismus-Kritik.

Der Song ist wohl holländisch. Musikalisch gesehen Respekt davor, inhaltlich: na ja. Wie gesagt, ohne die frühzeitige Medikation beginnend mit ca. 9 Jahren bis 30 wäre ich vorher möglicherweise als Kiffer, Junkie oder Penner unter der Brücke gelandet... und bei unseren Zeitgenossen von unter der Brücke sind mit Sicherheit viele Betroffene mit ADHS drunter die von einer frühzeitigen Therapie mit Methylphenidat profitiert hätten.

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Will ja nicht sagen das es ganz ohne Medikamente geht und das sie nicht helfen den das tun sie ja ;)
Habe mich vielleicht auch etwas falsch ausgedrückt dabei.
Will aber auch sagen nicht jeder reagiert gleich.
"Zuwendung statt Ritalin" ja schön wärs wenns wirklich so einfach wäre, kann aber auch nachhinten los gehen.
Hmmm wie bring ich das nun das geschriebene so rüber wie ich es aber auch meine.
Wird bei meinen schreibstill wahrscheinlich nicht funktionieren.
Probiere es trotzdem so gut wie möglich.
Hab ja geschrieben nicht mit Medikamenten vollstopfen.
Soll nicht heißen das man sie garnet geben soll sondern wirklich dann so wie sie gebraucht werden.
Will dich auch nicht verurteilen das steht mir auch bei weiten nicht zu und auch keinen anderen Menschen, wenns dir geholfen hat ist auf jedenFall mal super für dich.

Wie viel Alternativen gibt und auch die Medizin wird sich weiter entwicklt haben die letzten paar Jahren hoffe ich zumindest.
Du kannst aber auf jedenfall auch Beitragen das auch andere die vielleicht nicht betroffen sind oder (noch) nicht so viel Wissen die Seite besser kennen lernen und somit auch Aufgeklärt wird.

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Ob sich die medikamentöse Behandlung wirklich weiter entwickelt ? Ich bin da skeptisch. Aber im Umgang mit den ADHS-Besonderheiten und dem Erkennen muss sich was tun. Das habe ich letzte Woche in meiner Klinik selber gemerkt. Ich hatte geschätzt, dass 20 Prozent meiner Patienten ADHS haben dürften. Bei ca 54 Patienten wären das so Pi mal Daumen 11. Erst dachte ich, dass ich davon höchstens die Hälfte identifiziere. Aber sie kommen doch aus ihren Löchern, wenn man so genauer schaut. Ich bin aber überrascht, wie versteckt sie erst bleiben. Bis man es aktiv anspricht. Sie wissen meist nicht, dass es ADHS heisst. Aber sie wissen, dass sie anders als die Anderen sind. Da muss sich was tun.

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Ich denke auch, dass in der ADHS-Kritik einfach die Ebenen nicht eingehalten werden. Gesellschaftskritik bzw. Fragen rund um kindgerechtes Leben haben erstmal wenig mit Methylphenidat und Neuropsychologie zu tun. Und wenn man schon Verbindungen zieht, dann sollten das Leute versuchen, die sich mit Statistik bzw. Wissenschaft ein ganz klein wenig auskennen. Und nicht aus eigener "Lebenserfahrung" des Einzelfalls nun auf alle ADHSler schliessen. Das nervt.

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Danke schön. Werde ich mir heute mal in Ruhe anhören...

Das Thema Evolution und ADHS wurde ja u.a. von Thom Hartman intensiv beleuchtet. Seine Ideen waren ja sehr ähnlich mit den Apachen und den eher sesshaften Indianern. So ganz bestätigen liessen sich seine Ideen nicht.

Vor einigen Jahren hat dann ein Kollege aus dem nahen Uelzen (Kinderarzt Dr. Dietrich) eigene Ideen in einem Schattauer-Buch zusammengestellt. Er ging auch von solchen Gedanken aus, die aber eher auf ein unterschiedliches Alarmsystem hinweisen sollen.

Wie auch immer. Es bleibt ein sehr spannendes Thema.

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Sofern ich das richtig verstehe, meinen Sie mit unterschiedlichem Alarmsystem das, was Heiner Lachenmeier bei seinem Vortrag in Münsingen bei der Passage zu souveräner Reaktion im Notfall bei ADHS in Bezug z.B. auf Ärzte und Soldaten gesagt hat. U.a. meine ich auch genau das, wenn ich mich auf Betroffene mit ADHS als "hunters" beziehe. Es gibt schwergradig von ADHS Betroffene , bei denen die mit ADHS einhergehenden Defizite so ausgeprägt sind, dass eventuelle "Hunter"-Parameter nicht mehr ins Gewicht fallen. Ich kenne 3 Fälle persönlich, die so ausgeprägt defizitär sind, so grobmotorisch und tollpatschig sind und in der sozialen Interaktion so verschroben sind, dass man die bei einer Raid der Apachen um 1850 oder so nie hätte gebrauchen können und genauso wenig als Notarzt oder Guerilla-Kämpfer im Häuserkampf. Ein bestimmte Mischung an ADHS-Genen führt tatsächlich zu so ausgeprägten Defiziten durch ADHS, dass man das als evolutionäre Sackgasse betrachten kann. Und es sind auch nicht diese schwergradigen Fälle von ADHS , die ADHS weitervererben bzw. die dafür sorgen, dass ADHS nicht ausstirbt, sondern meist eben diese leichtgradigen oder gar subklinischen Fälle von ADHS (ungefähr so wie Sie wahrscheinlich, Herr Winkler). Aber diese leichtgradigen Fälle von ADHS , ich meine damit Hunters und Typen wie Boris Becker (wenn dessen Privatinsolvenz mal bloß nichts mit ADHS zu tun hat plus uneheliches Kind etc.), der mit seiner auch heute noch bewunderten (z.B. von Novak Djokovic) spektakulären Spielweise einfach so ein Hunter war, oder Schumacher, Vettel, Maradona, Gerd Müller oder das miteinander harmonisierende Sturmduo Italiens bei der EM 2012 Balotelli und Casano - alles eben Hunter mit Jagdinstinkt. Diese sind genau diese Hunter, wie sie sich Tom Hartmann in seiner natürlich! unzulänglichen und der komplexen Realität nur zum Teil entsprechenden Theorie der Hunter und Farmer als vereinfachtes Modell darstellt.

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Und aus Erfahrung weiß ich, dass mich meine Intuition und mein Instinkt oder der Geruch von ADHS , wenn es denn nativ ist und nicht kognitiv überlagert, quasi nie getäuscht haben. "Die" Apachen (wie gesagt, man sollte niemals pauschalisieren, aber also zumindest "viele" Apachen) waren hervorragende Raiders bzw. Viehdiebe und sie konnten quasi so schnell und unmittelbar verschwinden wie andere tendenziell weniger. Und noch etwas kommt hinzu, was meine Intuition in Sachen ADHS angeht: die in einigen Hollywood-Filmen verarbeitete (jedoch historisch dokumentierte und von den Filmemachern entsprechend recherchierte) ganzheitliche Verwahrlosung vieler Angehöriger dieser Ethnie (so z.B. in "The Missing" von Ron Howard: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Missing_(Film) ) vor allem auch in der Spätphase...

....mir fallen diese Merkmale , Raiders, Verschwinden können, Jagdinstinkt und auch in bestimmten Fällen ganzheitliche Verwahrlosung auch intuitiv bei einer europäischen Ethnie ein, bzw. einer ursprünglich aus Nordindien in einer Art Völkerwanderung nach Europ plus die heutige Türkei migrierten Ethnie ... jeder kann sich sofort denken, welche ich meine .... das sind dann quasi die europäischen Apachen ... dass diverse auf den Krankheitsaspekt von ADHS bzw. höhergradigem ADHS fokussierte Betroffene mit oftmals einer Leidensgeschichte durch ADHS das komplett anders sehen und dass man sich mit so Gedanken sofort auf ganz dünnes Eis begibt, dessen bin ich mir bewusst, ich nehme es aber in Kauf.

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Ja. ADHS kann zur Störung oder zur Fähigkeit im Sinne von Teilleistungsstärke führen. Das Problem ist nur, dass unsere Gesellschaft halt weniger die Stärken fördert. Sondern eher auf Fehler wartet. Und die machen ADHSler früher oder später bestimmt. Wichtig ist, aktiv sich in die positive Seite zu bewegen. Nischen finden . Netzwerke und Coaching untereinander. Eine Community. Steemit finde ich da schon gar nicht schlecht. Hier wird auf die Stärken fokussiert. Und jeder kann etwas, was ein anderer noch nicht so gut kann. Und umgekehrt.