Steemit ein Paradies für Analytiker

in #deutsch9 years ago

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Ich bin jetzt gerade mal 14 Tage auf Steemit. Meine erste Einschätzung: eine super Plattform und ein Eldorado - (ich möchte behaupten ein Paradies) - für Analytiker. Ich lege mich sogar so weit aus dem Fenster - ohne abzustürzen - da ich behaupten kann es ist sogar eine wunderbare Plattform für Beobachter (Spekulanten) und Wissenschaftler der "Praxiologie" (wie sie Ludwig von Mises genannt hat). Die Erfinder dieser Plattform haben den Menschen entweder sehr sorgfältig studiert - und zwar so wie er ist und nicht wie man Diesen gerne haben möchten - oder sie haben sich von Charlie Brooker und seiner Filmserie (Black mirror) inspirieren lassen (besonders durch den Teil "Absturz" wie dieser auf deutsch benannt wird).

Um die Gültigkeit der Aussagen von Gustave le Bon - der "Psychologie der Massen" geschrieben hat -, oder die Aussagen von Max Stirner - der das Werk "Der Einzige und sein Eigentum" treffend formuliert hat -, oder auch das Werk von Andreas Vonderach "Völkerpsychologie", bestätigt wissen will, braucht man sich nur auf Facebook, Instagram, oder in der weiterentwickelten Form von Steemit ganz genau umzusehen. Diese o.b. Werke mit ihren Erkenntnissen und Phänomenen werden nicht nur von Politikern und Diktatoren für ihre Propagandatechniken verwendet - das ist bis heute so geblieben und hat sich nicht verändert, denn heute ist Wahltag und es bestätigt sich wieder -, sondern von jedem, der ein Produkt erfolgreich auf diesem Planeten platzieren will. Alle, die sich mit dem Menschen beschäftigen, holen diesen an seinen Bedürfnissen ab. Sie holen Diesen an seinem Egoismus ab, auch wenn viele behauptet, sie seien nicht egoistisch - oder nur ein wenig, diesen man anschließend mit "gesundem Menschenverstand" begründen will. Auch diejenigen, die den Egoismus bekämpfen wollen "Das Wir ist alles, das Ich ist nichts" manipulieren mit dieser Aussagen "Egoismus ist schlecht" den Menschen. Diese Manipulation begründet sich in deren eigenen Egoismus um ihren persönlichen Vorteil daraus zu ziehen.

Ich hatte nun schon mal 14 Tage Zeit - und es werden bestimmt noch einige Wochen oder Monate mehr - mich durch die Steemit- Welt zu wühlen. Ich bin fasziniert, was Menschen so alles anstellen, um in der Beliebtheitsskala aufzusteigen. Das ist um längen besser als auf Facebook oder Instagram wo ich mich schon seit Jahren tummle.
Ich mache dies natürlich aus eigenem Egoismus, denn ich stehe öffentlich dazu und verleugne diesen nicht.

Worum geht es nun bei "Steemit"? Nach meinen ersten Einschätzungen und den vielen Notizen die ich mir gemacht habe, geht es nicht um gute Artikel (Das sind nur Randerscheinungen), oder wertvolle Information (die gibt es natürlich auch), sondern um "votes". Da kommen einige auf die tollsten Ideen um ihre Beliebtheitsskala zu polieren, oder sich einer Form von Boostern anzuschließen. Manche verleihen sogar Cryptos oder verschenken diese für mehr Votes, mit dem Ziel nach oben zu kommen. Es geht also um einen Rankingplatz. Viele wirklich gute Artikel haben selten viele votes (Ausnahmen gibt es immer), da sie leider noch nicht in den oberen Rankingstufen mitspielen und meistens nicht beachtet werden. Wenn ich die oberen Rankingplätze betrachte, sind zum größten Teil Artikel eingestellt, die man in seinem realen Leben nicht wirklich anvisieren würde. Aber die Jagt nach Beliebtheit wirft jeglichen ehrlich- und aufrichtigen Blick über Bord. Wenn man sich die Steemians der oberen Ränge genauer betrachtet, haben viele davon in ihren Anfangszeiten tatsächlich versucht sich als Autoren guter Artikel zu versuchen. Schaut man sich die späteren an, stellt man fest, das sich die Artikel in ihrer Qualität nicht verbessert haben, sondern mehr auf Quantität wert gelegt wurde. Es geht um Follower, je mehr je besser. Man besticht sich gegenseitig durch Votes (natürlich nur mit dem Vorwand der uneigennützigen Hilfe - Achtung Sarkasmus). Da wird alles ge-votet, auch der größte Mist. Kritik in all seinen Spielarten, ist nicht gewünscht, das Voting bleibt aus. Ein Spielmäntelchen des Theaters dominiert. Ein fantastisches Schauspiel indem die Person (das geistige Wesen) die Hauptrolle spielt.

Da werden die Parallelen zur Serie "Black mirror" vor allem zur Folge "Absturz" sichtbar. Eine Serie, die man sich vor allem als enthusiastischer Steemian anschauen sollte. Aber nicht erschrecken, sofern man sich selbst wiederfindet.

Hier ein kleiner Trailer zur Serie

Derzeit bin ich nur am Sammeln und Testen, aber vielleicht ergibt sich daraus auch eine Chance für eine brauchbare Analyse. Daher steem on... und nicht nachlassen.

Sort:  

Ich finde es sehr schwierig, festzustellen, worum es bei steemit geht. Kann nur sagen, worum es mir geht. Und da ist deine Analyse so weit recht treffend: ich möchte gesehen, gelesen und gevoted werden. Ich freue mich auf feedback, anregende Unterhaltungen, kontroverse Aussagen, auf Informationen, die ich noch nicht kannte und Gedanken, die ich noch nicht dachte. Das alles hier ist eine wunderbare große Spielwiese.

Bin auch gerade mal 1,5 Wochen dabei und es kommt mir vor, als wäre ich hier schon seit Monaten. Definitiv hat das hier einen hohen Suchtfaktor.

Geld verdienen? Klar, auch das ist willkommen.
Wobei ich glaube, dass wenn ich nichts zu sagen habe oder mir krampfhaft etwas Tolles einfallen soll, um des Geldes wegen: Das klappt schon im RL nicht besonders gut.

... Und dann ... ist es hier ganz anders als ich es kenne. ... ich hoffe auf Erfahrungen, die sich von denen unterscheiden, die ich bei den bekannten Netzwerken einsammelte.

Danke für die Anregung!

hab heute auch die 14 Tage hier voll ;-) und deine erste Einschätzung nicht nur gerne gelesen sondern auch up-ge-voted und re-ge-steemed lach ich folge dir jetzt mal - und bin gespannt was du so alles sammeln wirst - Grüße aus dem Siebengebirge

Danke das du meiner Beliebtheit hilfst, lach!!!! Wie gesagt auch ich bin ein Egoist. Danke das du mich erst mal so nimmst wie ich bin und ich lache erneut!!!

hast mich mit deinem post so herrlich zum schmunzeln gebracht - da freut es mich, dass ich dich auch zum Lachen bringen konnte :-) Schönen Rest-Sonntag wünsch ich dir an den Niederrhein :-)

Ich grüße vom Niederrhein

Treffer, versenkt.
Nach meiner ersten Euphorie hat sich für mich auch ein wenig Ernüchterung bei mir breit gemacht, weil es zunächst um die Beliebtheit geht und nicht darum, ob Du gute Artikel schreibst.

Seit ein paar Wochen überlege ich deshalb auch hin und her für wen ich eigentlich schreibe?!? :)

Eine berechtigte Frage! Und es stellt sich noch eine weitere Frage: Was ist ein guter Artikel?
Wenn ich über die erste Frage nachdenke, kann ich mir die Antwort erst mal leicht machen: Ich schreibe zuvorderst für mich selbst. Warum schreibt man für sich selbst? Da gibt es viele Antworten: Gedankengänge festhalten damit man sie selbst nicht vergisst. Doch diese brauch man ja eigentlich nicht veröffentlichen es sind ja meine eigenen Gedanken. Die muss ich auch nicht in komplizierte oder stilistische Texte verpacken, da reichen Stichworte aus. Wenn ich mir Stichworte aufschreibe z.B. Ein Kuchenrezept, mache ich das um irgendwann eventuell auch diesen Kuchen herzustellen. Stelle ich diesen Kuchen her, ist er zuerst für mich selbst. Ich verzehre diesen und stelle fest, er schmeckt oder er schmeckt nicht. Wenn er schmeckt, möchte ich diesen eventuell auch anderen vorsetzen um zu testen, ob er diesen anderen auch schmeckt. Sollte dies der Fall sein, wird man eventuell auch nach dem Rezept gefragt. Vielleicht schreibt man dann in einem kurzen Rezept auf, wie man diesen Kuchen gemacht hat und mit welchen Zutaten. Doch was ist ein guter Kuchen und schmeckt dieser jedem? Wenn man davon selbst überzeugt ist, es ist ein guter Kuchen, will man eventuell diese Information (ein Gut) transportieren, oder man behält es als Geheimnis für sich selbst.

Es geht also um subjektive Einschätzungen. Beim Kuchen noch relativ einfach. Interessant wird es, wenn der Kuchen durch eine vergesellschaftete Gruppe geht. Dort treffen die subjektiven Einschätzungen aufeinander. Man könnte jetzt dieses Gedankenexperiment bis zum Exzess ausweiten.

Hierbei werden die Auseinandersetzungen davon abhängen, wie aufrichtig die subjektiven Einschätzungen gegenseitig transportiert werden. Und es kommt darauf an, wie diese aufrichtigen Einschätzungen aufgenommen werden. Wären die subjektiven Einschätzungen immer aufrichtig, könnte es unter umständen zu Kritiken der unterschiedlichsten Art führen. Jetzt kommt die Kritikfähigkeit der Menschen ins Spiel.
Wie kritikfähig ist der Mensch? Nach meiner Erfahrung sehr gering. Alle streben wohl nach Aufrichtigkeit, aber eigentlich will er diese Aufrichtigkeit nicht Wissen. Vor allem nicht, wenn er sein Gegenüber nicht kennt. Im kleinen Rahmen, unter engen Freunden, oder der Familie kann es noch einigermaßen funktionieren. Aber je größer die Gruppe, je weniger funktioniert die Aufrichtigkeit. Je größer die Gruppe wird, je mehr dominiert die Dialektik, die Kunst Recht zu behalten.
Die meisten Menschen können es nicht ertragen, wenn man sie kritisiert. Daher sind Artikel die Kritiken enthalten schwerer zu transportieren, wie Artikel die schöne Emotionen wecken. Dabei spielt die Sprache und der Stil eine bedeutende Rolle. Will man schmeicheln oder Mitleid erregen, bedarf es eines wortgewandten Stils. Auch um Wünsche und Träume zu erwecken, bedarf es einem emotionalen Einfühlungsvermögen eine bestimmte Form der Rhetorik.

Bei der Kritik wird es schwieriger. Selbst die beste stilistische Ausführung führt nicht unbedingt zum Erfolg. Wenn auch im innersten des Kritisierten Zustimmung erfolgen sollte, folgt daraus noch lange keine geäußerte Zustimmung. Der Märchenerzähler, oder Geschichtenschreiber hat es dabei schon wesentlich einfacher, denn er muss nichts erklären. Dieser muss lediglich Emotionen wecken. Je besser diese Gruppe von Schreibern dieses Phänomen beherrscht, je beliebter wird diese Gruppe.

Der Mensch kann es nicht ertragen, wenn jemand anderes eventuell einen schärferen Blick hat als er selbst. Wenn er eventuell Zusammenhänge schneller erfassen kann, als er selbst.

Am schlimmsten wird es für den Kritiker, wenn dieser kausale Zusammenhänge analysiert und mit seinen Schlussfolgerungen auch noch recht behält, dann ist die Beliebtheit in Tiefen des Abgrunds versenkt.

Letztendlich schreibt der Kritiker, vor allem der Gesellschaftskritiker, für sich selbst. Er schafft es vielleicht in die Anerkennung, aber selten in die Beliebtheit. Als Autor von Artikeln verdient man mit der Beliebtheit Geld. Mit der Anerkennung verdient man nur Anerkennung.

Bei Schuldkritiker ist es noch ein bisschen anders, diese Gruppe empört sich durch die Masse. Dort spielen wohl Fakten auch eine Rolle, aber die Verantwortung kann auf andere projiziert werden. Wer es schafft, Schuldfragen zu formulieren, die immer andere betreffen, steigt ebenfalls in der Beliebtheit an. Diese Kritikergruppe darf nur einen Fehler nicht begehen, seine Kritik bis in die Tiefen zu analysieren. Diese Gruppe muss sich an den Symptomen austoben, aber auf keinen Fall an den Ursachen. Erkenntnisse haben viele deduktive Stufen und viele dialektische Formen.

Und genau dort entscheidet sich auch, für wen ich schreibe.

Interessant, was du über Aufrichtigkeit und Kritikfähigkeit sagst. Ich denke, deine Einschätzung trifft auf viele Menschen zu.

LACH: "Mit der Anerkennung verdient man nur Anerkennung."

Ich hab mich voll getroffen gefühlt mit diesem Satz. Ich bin so jemand, der überaus kritisch ist und ich kann bestätigen: Beliebt mache ich mich damit nicht.

Ich unterhielt mich neulich mit meinem Mann darüber, weshalb ich so viel schreibe und er meinte: "Du schreibst, um etwas zu verarbeiten und zu reflektieren. Du setzt dich damit auseinander und das Schreiben gibt dir Klarheit und unterstützt deine Entscheidungen" - das waren nicht genau seine Worte, aber so in etwa stimmt das.

Mein Text-Archiv ist riesengroß und ich hab mir nen Wolf geschrieben. Nun untersuche ich die Texte auf ihre Steem Tauglichkeit und bei vielen denke ich: Nahhh.... zu kritisch, zu pessimistisch, zu wenig unterhaltsam, zu lang, zu traurig, zu kompliziert, zu verworren.... und so weiter.

Dann poste ich eines von meinen Gedichten oder prosa-ähnlichen Eingebungen mit einem schönen Bild: und voila, ich werde gevotet. Ich dachte: Was? Wie jetzt? Dafür?

Gibt noch tausend Ursachen, warum oder warum man nicht gelesen wird. Ich denke, letztlich zählt, ob ich Spaß habe, hier meine Gedanken und Ausarbeitungen zu verbreiten. Ich beobachte , dass man meistens nicht links liegen gelassen wird, wenn man auf einen Post reagiert oder auf einen Kommentar. Das ist doch schon mal was. Wenn ich an FB denke: da hat sich überhaupt nichts mehr getan. Im Vergleich ist es hier das Paradies.

Manchmal hab ich aber auch den fiesen Gedanken: Oh, da geht Schmeichelei los und ich nehme irgendwie eine Form von Unaufrichtigkeit wahr. Da denke ich: Bähhhh.... voll berechnend. Das mag ich natürlich nicht, wenn ich das hier sehe. Naja, ändern werde ich das nicht. So sind's halt, die Leut. Vielleicht bin ich auch nicht ganz frei davon.

Daß ich eigentlich nur für mich schreibe, da bin ich auch schon hinter gekommen.
Und daß Kritik nicht immer die meisten Leser bekommt, da gehe ich auch mit. :)

Gut, jetzt kann man für sich selbst schreiben verschieden deuten:

  • Schreibe ich in erster Linie für Honigbartsüchtige und nur indirekt für mich selbst, weil ich viel Geld mit meinen Artikeln verdienen will?
  • publiziere ich ein paar Artikel aus einem kommenden Buch, um es über Steemit zu vermarkten?
  • oder schreibe ich für mich und mir ist es egal, wer meine Artikel liest? Warum dann überhaupt Steemit nutzen? Wäre da nicht eine Art (öffentliches) Tagebuchformat sinnvoll?

Ich weiß jedenfalls, daß sich bei mir spätestens mit dem Jahreswechsel etwas ändern wird.
Was genau, das weiß ich allerdings auch noch nicht.

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Ja verstehe ich auch nicht, warum manche meinen steemit wäre ein Sprint. Ich denke schon, dass sich diese Plattform durchsetzt. Dan aber ist steemit wohl eher ein Marathon!

MfG
Reinhard

Die Serie klingt definitiv nach etwas, was mir gefallen könnte.
Schreib ich auf die Liste für in 2 Wochen wenn ich beim Arbeiten wieder ne Beschallung brauchen kann.

Natürlich geht es auf Steemit um Anerkennung und das in Form von Bezahlung geht es darum nicht überall?

Jeder möchte gesehen werden, jeder möchte sich wichtig fühlen und jeder in der Gesellschaft lebende Mensch, braucht nun mal Geld. So läuft das Spiel....

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