(a)soziale Netzwerke - Fluch oder Segen
Fast jeder Jugendliche und ein riesiger Teil der älteren Bevölkerung, der Zugang zur digitalisierten Welt hat nutzt diesen. Der Trend steigt weiter.
Zweifelsfrei brachte ihre Erfindung Vorteile in der Kommunikation, doch gerade diese scheint angesichts der wachsenden Möglichkeiten immer weiter ausgelagert werden. Dank Snapchat kann man sehen ohne die Augen zu öffnen, Whatsapp ersetzt nur zu oft das Gespräch und andere Netzwerke lösen das lästige Problem einer sinnvollen Freizeitgestaltung.
Natürlich kann man diese Thesen als überspitzt ansehen, doch gilt dennoch zu erkennen, dass auch wenn der Großteil der Nutzer beteuert im Gegensatz zu den "anderen" nicht von Abhängigkeit betroffen zu sein, der überwiegende Teil eben dieser erliegt. Das selbst Facebook Mitbegründer Sean Parker in einem Interview mit Axios vor den Auswirkungen auf die Psyche der Nutzer warnt und selbst auf jegliche dieser Medien verzichtet, gibt mir zu denken.
Noch radikaler in seinen Befürchtungen ist Chamath Palihapitiya, der ebenfalls eine hohe Position bei Facebook hatte.
Palihapitiya erläutert, dass er starke Gewissenbisse hat, weil er erkannt hat, wie sehr die menschliche Psyche von den schnellen Dopaminausschüttungen, die durch Likes entstehen, abhängig wird und wie aus dieser Tatsache Profit geschlagen wird. Er prophezeit, dass der Mensch durch diese virtuellen Glücksgefühle verlernt in Beziehung zu leben und nicht mehr langfristig fokussiert ist. Für Abhängige gibt es nur noch die virtuelle schnelle Welt.
Genau in dieser Tatsache liegt meiner Meinung nach das Dilemma, da die Menschen extrem manipuliert werden können und freiwillig sensible Informationen zur Erstellung einer detaillierten Datensammlung teilen, welche ihre Freiheit beschränkt. Diese Auswirkungen sind ihnen nicht bewusst oder sie nehmen sie aus Angst auf der Strecke zu bleiben in Kauf.
Die Tatsache, dass Aussteiger, die mental nicht stabil sind erheblichem Druck ausgesetzt sind und den aktiven Nutzern oft die Fähigkeit zu Selbstreflexion abtrainiert wurde, macht sie zu optimalen Schafen der Netzwerke, die ihr Leben "hüten". Zahlenmäßig sind die Nichtnutzer verschwindend gering, was das Thema zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem macht.
Soziale Interaktion beschreibt das wechselseitige interagieren zwischen Personen. Formal erfüllen die Netzwerke also diese Definition. Das Problem liegt im Verlust des Blickes für die Realität und die aktive Teilnahme an dieser und mit diesem Verlust auch des Ende der realen sozialen Interaktion/Existenz des Menschen.
Diese sozialen Netzwerke haben das Potential die Welt zu vernetzen. Sie können sie aber auch gemeinschaftlich einsam machen.
Es gilt sie zu nutzen und nicht ihnen zu nützen.