Punk am Sonntag

in #deutsch8 years ago (edited)

Der Start in den Tag

Schuld hat mein altes Radio. Das Ding kann die UKW-Sender nicht so klar trennen und verrutscht manchmal ein bisschen in der Frequenz. Also wurde ich im Badezimmer mit unserem Lokalsender bedudelt. Sie spielen des morgens immer das Hafenkonzert und danach kommt "Wi snackt platt". Musikalisch ist das Ganze eher herausfordernd. Und das am frühen Morgen.

Heute waren sie musikalisch offenbar auf die Klassiker abonniert: Rolling home, Drees de Wunnerdroken (Puff the magic dragon auf platt) usw. Fast wäre ich davon so wach geworden, dass ich doch einen anderen Sender gesucht hätte. Aber dann kam's. Der Moderator kündigte an, dass sie ein Lied der gerade interviewten Band spielen würden - auch wenn es nicht dem üblichen Musikstil der Sendung entspricht.

De Schkandolmokers

Die Band De Schkandolmokers spielt plattdeutschen Punk. Natürlich dachte ich, dass ich es im Halbschlaf nur falsch verstanden habe. Aber denkste.

Beim Namen der Band geht es übrigens nicht um gesellschaftliche Empörung sondern um Lautstärke. Schkandol heißt Krach. Normalerweise bekomme ich meinen Sonntags-Punk ja immer erst mit den sunday classics von @depot69. Aber gut, man kann ja mal reinhören. Also bekommt ihr jetzt Pogo achtern Diek.

  • Falls euch die Sprache nicht geläufig ist: es geht um den Genuss von Punk-Musik hinterm Deich.
  • Falls euch die Sprache geläufig ist: sie kommen aus der Oldenburger Gegend und singen ammerländer Platt. Da gibt es gelegentlich friesische Lehnwörter, was dem Verständnis nicht immer zuträglich ist.

Außerdem habe ich ein ganz nettes Stück gefunden, das sie unplugged spielen: Trekker Förn. Auch hier eine Sprachhilfe für unsere alpennäheren Freunde: Es geht inhaltlich um den nicht-bestimmungsgemäßen Gebrauch einer landwirtschaftlichen Zugmaschine.


Zum Schluss noch Plattsnackers united aus ihrem neuen Album. Originell sind sie jedenfalls.


Presseschau

Ich will auch die Informationsgierigen bedienen, also gibt es jetzt noch zwei Hintergrundberichte.

  1. Das Radio-Interview von heute morgen könnt ihr online nachhören, falls ihr neugierig seid. Es ist aber platt (und die Zweideutigkeit des Ausdrucks ist hier akzeptabel).

  2. Zum krönenden Abschluss empfehle ich eine ziemlich witzige Reportage vom Bremer Lokalfernsehen. Aber Vorsicht, es ist die Art von Witzigkeit, wie sie bei uns Norddeutschen beliebt ist. Wir klopfen uns nicht so gerne auf die Schenkel, das wisst ihr ja. Die Jungs sind halt eher friesisch-herb, zum Beispiel vor dem Auftritt bei einem Platt-Festival: "Na ja, wir haben vorhin schon ins Publikum geguckt, das Durchschnittsalter liegt bei 70 oder so. Da sind wir mal gespannt, ob wir sie kriegen oder nich."

Sort:  

Die habe ich mir doch gleich mal gemerkt. Sollten die mal im Husumer Speicher spielen, dann bin ich dabei.

Ich überlege schon, ob ich nächstes Jahr in Hamburg hingehe.
Danke für das resteemen. :)

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Auch wenn man in Mecklenburg Platt etwas anders spricht freue ich mich doch trotzdem immer wieder dies zuhören.
In Mecklenburg ist Platt so gut wie ausgestorben, schön das es aber noch Regionen gibt welche diese Sprache erhalten.

Da bin ich ganz deiner Meinung. Hier in Hamburg spricht man höchstens mal einen einzelnen Satz oder eine Redewendung auf Platt, ansonsten ist die Sprache fast ausgestorben.

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