Sinnlos [German Poetry]
Liebe Schulfreunde,
ich habe mal wieder tief in der Schublade gekramt und einen uralten Text von mir über Schule, Lernen & Leben ausgegraben. Eingerahmt wird das Ganze von einem Original Schulheft-Cover aus Jahrgangsstufe 11. Da muss ich so ca. 16 Jahre alt gewesen sein. Umso erschreckender, dass der Text irgendwie immer noch aktuell ist.
Sinnlos
Kennst Du diese Tage an denen alles sinnlos scheint?
Sinn ist so eine Art Pausenbrot nach einer Schulstunde,
in der du Dich gefragt hast, warum Du all dieses Zeug
lernen mußt.
Ja klar, irgendwie versichert man dir ständig, dass man
das Gelernte irgendwann gebrauchen könnte.
Du zweifelst - aber schließlich gibt es ja eine Schulpflicht.
Einzige Ausnahme: Krankheit.
Als ich mal vor Liebeskummer wieder nicht in der Lage war,
für eine Mathematik-Klausur zu lernen, habe ich kalt geduscht
und bin dann nur mit Unterhose bekleidet auf unseren Dachboden gestiegen,
habe das Fenster geöffnet und auf eine Lungenentzündung gehofft.
Lernen fürs Leben. Das nur am Rande.
Also gut. Du gehst zur Schule, um Dein Pausenbrot essen zu können.
Später dann arbeiten, um Freizeit zu haben.
Jetzt schon an morgen denken. In Rente gehen. Das macht Sinn.
Und was kommt danach?
Niemand bringt uns bei, wie man ein vernünftiger Rentner wird.
Aber erstmal müssen wir ja auch das Leben überstehen.
Dumm ist nur, dass das Pausenbrot im Alter eher zum Abschiedsbrei wird.
Ich glaub, ich bleib einfach sitzen. Dann bin ich wenigstens den Sinn los.
Also gut. Du gehst zur Schule, um Dein Pausenbrot essen zu können. <- Da musste ich lachen. Echt schade, dass es oft so ist. Wir warten immer nur auf die Pause, den Schulschluss, oder den Urlaub. Sehr guter Text.
Auch wenn ich immer gerne zur Schule gegangen bin. Leider dachte ich, dass das Leben nach der Schule vorbei ist. Weil alle Erwachsenen um mich herum echt unglücklich waren in ihren Berufen. Ich erinnere mich noch an das Grinsen in meinem Gesicht, als mir der Gedanke kam: Mein Leben könnte so sein, wie mein Lieblingsfach :) Mir hat Schule wirklich Raum zur Entwicklung gegeben. Ich hoffe, dass es mehr und mehr Kindern so geht, auch wenn das Schulsystem wirklich mangelhaft ist.
Danke für deinen Kommentar. In den 70er und 80ern, als ich zur Schule gegangen bin, war das Ganze auch noch viel mehr auf Frontalunterricht, Auswendiglernen und Normierung ausgelegt. Wir hatten zwar ein paar 68er Lehrer, aber die haben dann jeden Tag einen Film eingeschmissen und uns am Ende 3en gegeben. Ich hatte nur bei sehr wenigen Lehrern das Gefühl, dass sie wirklich an der Entwicklung meiner Persönlichkeit interessiert waren.
Irgendwie merkwürdig, dass ich später dann auch noch eine Frau geheiratet habe, die Lehrerin ist. Was die mir allerdings jeden Tag für Stories erzählt, das ist einen eigenen Post wert ;-)
Ich war die meiste Zeit meiner Schulzeit auf einer Gesamtschule, da war es garnicht so verschult. Ich habe auch jede AG mitgenommen, die ich kriegen konnte und jeden Schüleraustausch mitgemacht. ... Sollte ich vielleicht auch mal drüber schreiben. Wäre auch daran interessiert zu lesen, was deine Frau so erlebt.
Ist auf jeden Fall beruhigend zu wissen, dass es auch ein paar Leute gibt, denen Schule etwas gebracht hat ;-) Ich versuche meine Frau schon die ganze Zeit davon zu überzeugen, sich hier auch einen Account zu machen und selbst über ihre Erfahrungen zu schreiben. Mal sehen, ob es irgendwann klappt...
Sehe ich genauso - ich behaupte sogar, dass 99% der Lehrer zu meiner Zeit weder fachlich und vor allem pädagogisch ungeeignet waren.
Heutzutage hat sich aber einiges geändert. Die Lehrer werden total hart rangenommen und haben in etwa den Arbeitsaufwand eines Managers. Nach jeder Pisa-Studie wird dann das Lernkonzept wieder komplett umgeschmissen oder aus G9/G8 gemacht, um dann nach 2 Jahren wieder zurückzurudern... Ich denke, das liegt vor allem an der bescheuerten Schulpolitik...
Ich hoffe es ist besser im Interesse meiner Kleinen - Kulturausgaben sind eben auch begrenzt, da wird lieber was für Verteidigung oder andere schwachsinnige Subventionen ausgegeben.
Man kann nur hoffen, dass sich das bessert. Schließlich sind die Kinder unsere Zukunft!
Ja eben - die Hoffnung stirbt zuletzt
Ich kann nur sagen, ich hab die Schule gehasst! Sport und Mathe waren cool, beim Rest absitzen beziehungsweise Scheiss Lehrer (man entschuldige den Ausdruck) Einschätzungen aushalten müssen, was haben mich insbesondere die 68er angekotzt - das wäre nicht ein Post, das wäre eine tägliche Serie für 2 Jahre wert
Das wäre wohl ein ziemliches Kontrastprogramm, wenn wir unsere Geschichten gegenüberstellen. - Ich glaube, ich werde meine Bildungsgeschichte in mein Wochenthema kommende Woche einbauen.
mit Sicherheit :-)
Bonus
Dieser Animations-Kurzfilm von Daniel Martinez Lara und Rafa Cano Mendez aus Madrid bringt das Thema auch ziemlich gut auf den Punkt:
Der Film heißt „ALIKE“ und hat bereits über 60 Awards gewonnen.
Erinnert mich an meine eigene Schulzeit, auch die Zeichnungen.
Ein Paradox das viel zu selten hinterfragt wird...
Danke für dein Feedback. Irgendwie scheinen sich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens immer weniger darüber bewusst zu sein. Wenn man ihnen nur lange genug eintrichtert, dass das so sein muss, schlucken sie es irgendwann.
All my writing books were filled with drawings too. Fun to see.
I guess that's how lots of artists started and I thought that you'd like it. ;-)