Angst in der Propaganda
Bei meinen Streifzügen durch das Netz fällt mir immer wieder auf, wie zunehmend auf echte Argumente und Fakten verzichtet wird und stattdessen es immer mehr Richtung Radikalisierung gegen Links oder Rechts geht. Ständig werden niedere Instinkte wie Angst, Wut und Ekel angesprochen. Es wird Angst gestreut vor Flüchtlingen, Fremden, bösen Eliten, Chemtrails, Impfungen, HAARP, Nanopartikeln, fehlenden Nährstoffen in Lebensmitteln, Weltuntergängen, Klimawandel, Krieg, Börsencrash, totale Überwachung, Strahlung, Fremdsteuerung durch MindControl und/oder Parasiten, Pharmaindustrie, Mord, Todschlag, Vergewaltigung, Krankheiten, Chaos und überhaupt und sowieso…oh natürlich auch Disney Filme und die Musikindustrie….
Ich spreche hier nicht vom Vorbringen durchaus vorhandener Probleme und einer Kritik an unserer Gesellschaft. Diese ist dringend nötig! Aber eine entsprechende Diskussion sollte sachlich und angstfrei geführt werden.
Ich möchte an dieser Stelle einmal auf ein paar Fakten zum Thema Angst eingehen.
Das Wort „Angst“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen -angest- bzw. aus dem Althochdeutschen und bedeutet eigentlich „Enge“. Die Definition nach DUDEN lautet: „mit Beklemmung, Bedrückung, Erregung einhergehender Gefühlszustand (angesichts einer Gefahr), undeutliches Gefühl des Bedrohtseins“ (duden.de, Stand 2018) Weiter heisst im DUDEN: „In der Fachsprache der Psychologie und Philosophie wird im Allgemeinen zwischen Angst als unbegründet, nicht objektbezogen und Furcht als objektbezogen differenziert. In der Allgemeinsprache werden dagegen beide Bezeichnungen meist synonym verwendet, wobei Furcht als stilistisch gehobener empfunden wird.“ (duden.de, Stand 2018)
„Angst ist behavioral durch Vermeidungs- und Fluchtverhalten oder Abwehr gekennzeichnet und somit das Gegenteil zur explorativen Neugier (Erkundungsverhalten), die mit positiv empfundener Erregung einhergeht. So kann die Begegnung mit Unbekanntem je nach Bereitschaft und Erleben der Situation sowohl angstvolles Weglaufen als auch neugierige Hinwendung hervorrufen. Nicht nur beim Menschen unterdrückt Angst leicht die Freude an Erkundung, Spiel, Nachahmung und Kreativität.“ (https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641)
„Im subjektiven Erleben reicht Angst von der Furcht vor konkreten Bedrohungen (extrem als Todesangst) über die Verlassensangst (insbesondere bei Säuglingen und kleinen Kindern) bis hin zur Lebens-, Existenz- und Weltangst und kann die Persönlichkeit stark verändern sowie Motivation, Bereitschaft und Handlungssteuerung schwer beeinträchtigen.“ (https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641)
„Alfred Adler erkannte eine Vielfalt sozialer Ängste und ihre Beziehung zum Minderwertigkeitsgefühl und hielt die Unterdrückung des Aggressionstriebs (Aggression) für die Quelle der Angst.“ (https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641)
„Daß Angst das Ergebnis von Lernvorgängen ist, die zumindest teilweise auf Konditionierung basieren, ist auch – bei allen Unterschieden – die Quintessenz der verschiedenen behavioristischen Theorien.“ (https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641)
Der für die Angstentstehung und das Furchtgedächtnis bedeutendste Hirnbereich ist die Amygdala (…) Die Funktion der Amygdala wird von Streß nicht beeinträchtigt, sondern sogar gefördert (Streßhormone verstärken Angst-Konditionierungen), und das scheint ein entscheidender Grund dafür zu sein, daß sich Angst hartnäckig und außerhalb der bewußten Kontrolle ins Gehirn gleichsam einbrennen und unter Umständen ein ganzes Leben lang quälende Wirkungen haben kann.(https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641)
Neuere Philosophie: „Angst als existentielle Befindlichkeit resultiert aus einer als verlorengegangen gewähnten Einheit (mit der Welt, den anderen Menschen und/oder sich selbst) im Gefolge von Selbst- und Todesbewußtsein. Wird sie nicht ausgehalten, sondern verdrängt, sind Fluchtreaktionen die Folge, z.B. in Masse und Konformität, in Besitz- oder Machtstreben, in Rausch, Riten, Religionen oder Rationalisierungen.“ (https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641)
"Die Fähigkeit, rasch Erinnerungen von Reizen zu bilden, die mit Gefahren zusammenhängen, sie lange zu behalten und sie automatisch zu nutzen, wenn künftig ähnliche Situationen auftreten, ist eine der mächtigsten und wirksamsten Lern- und Gedächtnisfunktionen des Gehirns", schrieb Joseph LeDoux. "Aber dieser unglaubliche Luxus ist kostspielig. Wir haben mehr Ängste, als nötig wäre, und schuld daran ist vermutlich unser äußerst wirksames Furcht-Konditionierungssystem zusammen mit einer extrem ausgeprägten Fähigkeit, uns Ängste auszumalen, und eine Unfähigkeit, sie zu kontrollieren." (https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641
„Andererseits ist Angst eine Voraussetzung, die sich verschiedene soziale Formen der Unterdrückung bis hin zum politischen Terror kräftig zunutze machen.“ (https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641)
Persönliche Gedanken
Wir leben nicht in einer dualen Welt, auch wenn uns das immer wieder so verkauft wird. Es gibt keine Alternativlosigkeit, keine entweder oder, kein entweder die oder wir. Unsere Welt ist eine polare. Das heisst, das Eine bedingt immer auch das Andere. Also das Gute bedingt das Böse, aber auch umgekehrt. Wo Schatten ist, da ist auch Licht.
Wie Goethe in Faust schon schrieb: „ (Ich bin) Ein Teil von jener Kraft, // Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ —Vers 1336/ Mephistopheles
Angst ist nichts grundsätzlich Schlechtes, doch sollten wir uns nicht von ihr leiten lassen. Und vor allem sollten wir uns nicht von aussen hineintreiben lassen. Es gilt grundsätzlich Liebe und Vertrauen in sich und seine Nächsten zu haben. (Omg das klingt jetzt ziemlich Eso….Räucherstäbchen anzünd )
Neue Entwicklungen wie zum Beispiel 5G sind immer etwas unheimlich und können beängstigend wirken. Natürlich bergen sie auch Gefahren in sich und diese gehören sachlich diskutiert und wissenschaftlich erforscht. Als damals die Eisenbahn aufkam, warnten auch Ärzte eindringlich vor der Gefahr von Hirnschäden durch die hohen Geschwindigkeiten. Heute können wir über diese Bedenken lachen.
Auch gesellschaftliche Veränderungen verunsichern. Ich bin der Meinung, man sollte die Bedenken und Sorgen der Menschen ernst nehmen. Mit ihnen reden und sie versuchen an den Prozessen aktiv teilhaben zu lassen. Diese Dinge sollte man nicht den politischen Extremen überlassen, denn das hat noch nie ein gutes Ende genommen. Wie oben erläutert verhindert Angst einen positiven Umgang mit Unbekannten und die Kreativität. Ebenso verändert es die Handlungssteuerung.
Es ist völlig in Ordnung Dinge zu hinterfragen, kritisch auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls auch abzulehnen. Eine Gesellschaft sollte verschiedene Meinungen akzeptieren und als Bereicherung empfinden, aber Bullshit gehört eben auch als solcher argumentativ widerlegt.
Also lasst euch nicht verrückt machen. Überprüft alles und vor allem redet miteinander!
Und denkt immer daran - Angst ist das Gegenteil von Liebe! Nur aus Liebe kann Leben und Wachstum entstehen.