"Zwölf" Erstes Kapitel (Ganz)steemCreated with Sketch.

in #deutsch9 years ago

              Prolog

 

Er wusste nicht, wie lange er schon rannte.
Vieleicht erst seit einer Minute möglicherweise aber auch schon seit Stunden.
Sein Atem ging flach und seine Beine drohten bei jedem Schritt auf dem matschigen Boden nachzugeben doch er dachte nicht daran stehenzubleiben, wagte nicht einmal über die Schulter zu sehen aus Angst er könne einen Blick auf das erhaschen, was ihn verfolgte.

Er spürte den Schmerz nicht einmal, als sein Fuß sich in einer Wurzel verfing und er der Länge nach auf den harten Waldboden aufschlug. In der nächsten Sekunde war er bereits wieder auf den Beinen und rannte weiter durch das immer dichter werdende Gestrüpp, dessen karge grün und Brauntöne nach und nach von der einkehrenden Dunkelheit geschluckt wurden.
Die Äste peitschten ihm ins Gesicht zerrissen seine Kleidung und schnitten ihn doch sein einziger Gedanke galt der Flucht.
Seine Erleichterung als er aus dem Dickicht brach wandelte sich in pure Verzweiflung, als er sah dass er auf eine Plateau stand, von dem aus der Sturzbach aus Regenwasser 15 Meter in die Tiefe fiel und krachend auf harten, grauen Fels aufschlug.
Als er sich umdrehte, um zurück in den Wald zu laufen hörte er die Schritte. Zuerst nur ganz leise durch das peitschen der Windböen und das prasseln des Regens hindurch. Es waren hastige Schritte, schnelle Schritte, wie die Schritte von jemand, der genau weiß, wo er hinwill. Oder etwas. Und sie kamen mit einer beängstigen Geschwindigkeit näher. Da wusste er das es für eine Flucht zu spät war.
Er würde nicht zurückgehen nicht nach dem was er gesehen hatte nicht nach dem was geschehen war. Er holte tief Luft und trat einige Meter vom Abgrund zurück. die Schritte wurden lauter .Er blickte hinter sich in den Wald wo die Nacht nach und nach die Bäume zu einer undurchdringlichen schwarzen Wand verschmelzen ließ.
Noch lauter. Er sah auf in den Himmel aus dem sich der regen ergoss und ihm das Blut und den Dreck aus dem Gesicht wusch. Die Äste hinter ihm brachen dann rannte er los und sprang.
In dem Moment als seine Füße den Boden verließen schien die Zeit für einen Moment still zu stehen. Alles war leise die Regentropfen standen In der Luft die Wipfel der Bäume welche sich eben noch unter den Windböen geneigt hatten standen nun friedlich und unerschütterlich da, der Bach der von der Klippe stürzte schien wie eingefroren. Dann fiel er schlug auf und die Nacht verschluckte ihn.

Kapitel 1

Als Vincent aufwachte saß er aufrecht in seinem Bett und war schweißgebadet.

Es dauerte einige Sekunden bis seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten und er den Blick durch die spärlich eingerichtete Kammer schweifen ließ, die er sich mit seiner kleiner Schwester teilte

"Der Traum?" ließ sich ihre stimme schwach und schläfrig aus der anderen Ecke des Zimmers vernehmen.

"Ja. Keine Sorge Mina geh wieder schlafen."

antwortete Vincent und sah auf das durchnässte Lacken hinunter, auf welchem er bis eben noch geschlafen hatte.

Es war immer derselbe Traum fast jede Nacht seid dem Tod ihrer Eltern hatte er kaum noch von etwas anderem geträumt. Doch jedes mal, wenn er aufwachte konnte er sich nur noch wage erinnern lediglich die Angst vor dem was ihn verfolgte und das Gefühl zu fallen verschwanden nicht sofort.

Er schlug seine decke genervt zurück. Einschlafen konnte und wollte er nicht und so öffnete er die Tür die von der Kammer auf den kleinen windschiefen Balkon führte von dem aus man die weiten Felder überblicken und in der Ferne die Lichter der Stadt sehen konnte.

Immer wenn er hier draußen saß bekam Vincent einen klaren Kopf. Er kam hier raus um nachzudenken oder auch nur um allein zu sein. Manchmal stellte er sich vor einfach über die Felder durch die Stadt und immer weiter zu gehen ohne sich einmal umzudrehen. Einfach alles hinter sich zu lassen und diesen Ort zu verlassen.

Der Mond stand noch hoch am Himmel doch Vincent fürchtete die Dunkelheit nicht. Vielmehr genoss er die Ruhe und Geborgenheit die sie ihm bot. Er war es seit klein auf gewohnt von seinen Träumen wachgehalten zu werden und es gab eine Zeit kurz nachdem er zur Waise geworden war, in der er tagelang nicht geschlafen hatte aus Angst vor dem was er sehen würde sobald er die Augen schloss.

Er erinnerte sich an nicht mehr viel aus dieser Zeit doch die Angst die er spürte verfolgte ihn fast 10 Jahre später immer noch.

 

Vincent fand die Selbstverständlichkeit, mit der sein Onkel ihn und Mina aufgenommen hatten zwar bewundernswert doch seine verschlossene abweisende Art hatte ihn in Vincents Augen immer ein wenig unheimlich aussehen lassen.

 

Als Ersatz für seine Eltern taugte sein Onkel der regelmäßig mehrere Tage weg war, sodass er und Mina sich praktisch selbst erziehen mussten absolut gar nichts.

 

Während Vincent dasaß und nachdachte tauchten die ersten Sonnenstrahlen den Horizont bereits in ein schönes Rot doch Vincent hatte kein Auge für das hübsche Naturschauspiel.

 

Er war es gewohnt Verantwortung übernehmen in Konfliktsituationen entscheiden und Stärke zeigen zu müssen. Bleierne Müdigkeit sank in seine Knochen als er realisierte das er für mindestens drei stunden auf dem Balkon gesessen haben musste doch er hatte keine Zeit sich auszuruhen.

 

Schnell rannte er zurück ins Zimmer rüttelte seine Kleine Schwester wach, welche sich verschlafen die Augen rieb und lief dann ins Bad um sich die Zähne zu putzen. Hastig aß er zwei Scheiben Toast, zog sich an und machte sich auf den Weg zur Schule.

 

Vincent und Mina schwiegen, als sie den Feldweg entlang in Richtung Stadt liefen. Es gab nicht viel zu sagen wie meistens und Vincent konzentrierte sich auf die aufgehende Sonne am Horizont, auf den Wolkenlosen Himmel des Augustmorgens, der ihn jetzt schon ins schwitzen brachte.

 

Obwohl sie Mindestens 3 Kilometer außerhalb der Stadt wohnten lehnte ihr Onkel es grundsätztlich ab sie zur Schule zu fahren oder auch nur ein Auge aufzumachen. Um diese frühe Zeit am Morgen und da weit und breit kein anderes Haus oder eine Bushaltestelle war mussten die beiden Morgen für Morgen zur schule laufen ganz egal wie heiß oder kalt es war, es regnete oder schneite. Vincent konnte sich an ein Mal erinnern als sie beide noch kleiner gewesen waren und auf dem weg zur schule in einen Schneesturm geraten waren.

Die Flocken waren so dicht und der kalte Wind so beißend das sie sich mehrmals verirrt hatten und er Mina verloren hatte. Die Erinnerung an die Schuldgefühle, die er hatte als er im Schneegestöber nach seiner 8 jährigen Schwester suchte und diese schließlich weinend und verfroren kauern einige Meter abseits des zugeschneiten Weges fand waren so scharf als wäre es erst gestern geschehen.

 

Er erinnerte sich noch genau an die Wut die er auf seinen Onkel hatte weil dieser sich auch an diesem Morgen strikt geweigert hatte die beiden zu fahren als er seine Schwester klatschnass nach Hause brachte.

Er wurde von dem Hupen eines Autos aus seinen Gedanken gerissen, dass so dicht an ihm vorbeirauschte, das er den Luftzug in seinem Gesicht spürte.

"Bist du bescheuert?"

Die Stimme seiner Schwester hörte sich halb vorwurfsvoll halb besorgt an als sie ihn zurück auf den Bürgersteig zerrte.

"Entschuldigung ich habe gerade nachgedacht"

Vincent sah sich um und bemerkte, dass sie schon mitten in der Stadt kaum zwei Blocks von ihrer Schule entfernt waren

"Oh Mann ich bin Todmüde. Ich hab die ganze Nacht kein Auge mehr zugemacht"

"Ja, man sieht`s warum bist du nicht einfach zuhause geblieben du siehst echt krank aus!"

"Keine Sorge mir geht`s super eine Tasse Kaffee und ich bin wieder voll auf den Beinen"

Obwohl sie 3 Jahre jünger war als er hatte Vincent manchmal das Gefühl er wäre der Kleinere der beiden. Sie bogen gerade in die letzte Querstraße ein, die zu ihrer Schule führte als ihnen Silas entgegenkam. Silas war Vincent ältester Freund die beiden kannten sich schon seit dem Kindergarten.

"Morgen" begrüßte ihn Vincent. Mina verdrehte Die Augen sie konnte Silas noch nie leiden. Seine aufgedreht überhebliche Art konnte sie nicht ausstehen. Zudem fand sie ihn arrogant.

"Ich geh vor wir sehn uns heute Nachmittag" sagte sie zu Vincent gewandt und beeilte sich auf die andere Straßenseite zur Schule zu kommen.

"Wow was war das denn"? fragte Silas als sie über die Straße schlenderten während im Schulhaus die Glocke zur ersten Stunde läutete.

"Ach nichts wichtiges" antwortete Vincent Kopfschüttelnd .

Das Heinrich von Pleist Gymnasium war eine sehr alte Schule mit roten Backsteinmauern und engen, teilweise vergitterten Fenstern die nur wenige Lichtstrahlen in die weitläufigen Flure und große Klassenzimmer ließen, was ,in Kombination mit der spärlichen Innenbeleuchtung immer für eine düstere drückende Atmosphäre sorgte.

Die dunkelblau und dunkelrot bemalten Wände trugen zudem noch gut zu dieser Stimmung bei.

Einziger Lichtblick war der Schulhof welcher größtenteils grasbewachsen war und in dessen Mitte ein alter Brunnen unter einer vermutlich fast genauso alten riesigen Eiche stand.

Begrenzt wurde der Hof lediglich von dem Schulgebäude auf der einen und einer dichten Hecke auf der anderen Seite. Vincents Stimmung hob sich als Silas ihm davon erzählte, wie er in der Mathearbeit, nachdem ihm auf nicht eine Frage eine Antwort eingefallen war den kompletten Antwortbogen mit Karikaturen seiner Lehrerin bekritzelt hatte und daraufhin zum Schulleiter "Herr Langbuch" zitiert worden war, der ihm dann einen 30 minütigen Vortrag &über Anstand und Respekt hielt.

Es störten die Freunde weder, dass sie 10 Minuten zu spät in den Matheunterricht kamen noch die bösen Blicke die ihre Lehrerin ihnen zuwarf als sie sich immer noch redet an ihre Plätze setzten.

Wie üblich verging die zeit in Mathe wie in Zeitlupe und Vincent spürte die bleierne Müdigkeit in dem Moment als er sich auf seinen Platz setzte wieder.

Und so nahm er das Angebot seiner Lehrerin nachdem er zum dritten Mal im Abstand einer Minute gegähnt hatte, doch bitte draußen weiter zu Gähnen dankend an. Im Bad spritze er sich eiskaltes Wasser ins Gesicht und blickte in den Spiegel. Mina hatte recht gehabt er sah schrecklich aus.

 

Seine braunen Haare standen in alle Richtungen von seinem Kopf ab, Seine Haut war weiß wie Papier und seine Augen waren so blutunterlaufen, dass er aussah wie ein lebender Toter. Vincent zog sein Handy aus der Tasche, entsperrte es und warf einen Blick auf die aufleuchtenden Ziffern der Digitaluhr

"Viertel nach acht...bis drei schaff ich das nicht!"
sagte er zu sich selbst, ließ das Handy wieder in seiner Tasche verschwinden und stieß schwungvoll die Flügeltür der Toilette auf.

Er ging durch die Gänge in Richtung Ausgang und schrieb dabei noch eine Nachricht an Silas.

"Mir geht`s Scheiße! Ich geh nach Hause sag der Trepke, wenn sie fragt mir ist schlecht geworden"

Dann verließ er die Schule und machte sich durch die Stadt über die Feldwege auf den Weg zurück nach Hause. Der Weg zurück über die Felder war lang und einsam und Vincent freute sich darauf bald wieder in seinem warmen Bett zu liegen. Sein Onkel würde auf der Arbeit sein und bis Mina aus der Schule käme hätte er noch gut vier Stunden.

Als er sich dem Haus näherte grummelte sein Magen. Er hatte zum Frühstück nur schnell ein Toast gegessen und beschloss das nach dem langen Weg etwas Warmes zu essen nicht schaden würde. Vorräte und altes Gerümpel lagerte sein Onkel im Keller unter dem Haus der ehemalig ein Schutzbunker aus dem zweiten Weltkrieg gewesen war und nur von außerhalb des Hauses durch eine schräg ins Fundament eingelassene und mit Vorhängeschloss verriegelte Luke betreten werden konnte .

Vincent wusste das sein Onkel den Schlüssel für die Luke immer unter einem Stein in einem Busch links von der Haustür aufbewahrte, öffnete die Luke und stieg vorsichtig eine kurze Leiter die in den Keller führte hinunter. Die nackte Glühbirne flackerte auf als er den Lichtschalter betätigte und tauchte den kleinen mit Kisten und Konserven vollgestellten Raum in warmes gelbes Licht. Als Kind hatte Vincent sich vor dem Keller gegruselt mittlerweile verbrachte er allerdings öfter Zeit hier um die alten Kisten zu durchwühlen und sich die Schätze anzusehen die in ihnen verborgen lagen.

Sein Blick schweifte über die berge an Konservendosen und Gläsern mit eingemachten Früchten die hier unten in den Regalen verstaubten. Sein Blick blieb allerdings abrupt an einer kleinen Kiste hinten im Raum hängen.

Diese Kiste war ihm zuvor noch nie aufgefallen.

Ob sein Onkel sie neu dort hingestellt hatte? Unwahrscheinlich, denn ihre Aufschrift war so verstaubt, dass man sie nicht mal mehr lesen konnte. Er wischte den Staub mit dem Ärmel seines Sweatshirts ab und las die Aufschrift. "Henry und Sophie"

Vincent bekam eine Gänsehaut. Die Namen seiner Eltern. Ungläubig näherte er sich der Kiste und hob ihren Deckel an. Die Staubwolke die ihm entgegenschlug brachte seine Augen zu tränen und er musste husten. Unmöglich, dass diese Kiste erst seit kurzer Zeit dort stand.

Er griff mit beiden Händen in die Kiste und wühlte darin.Zuerst zog er einen alten grauen Mantel heraus. Er erinnerte sich, dass der Mantel seines Vaters gewesen war unter dem Mantel lag ein Schal und einige eingestaubte Bilderrahmen mit alten Fotos von ihm Mina und ihren Eltern. Vincent nahm eines der Bilder heraus und reinigte es mit seinem Ärmel. Auf dem Bild konnte er seinen Vater erkennen und sich selbst wie er auf seinen Schultern saß Daneben Stand seine Mutter und lächelte in die Kamera, während sich Mina mit leicht verschrecktem Gesichtsausdruck an ihr Bein klammerte das Foto musste über 10 Jahre alt sein.

Lächelnd legte Vincent das Bild zur Seite obwohl es ihn irgendwie traurig machte fand er den Gedanken daran wie glücklich und lebendig seine Eltern einst waren schön. Doch auf einmal wurde seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt.

Ganz unten auf dem Boden der Kiste lag ein unscheinbares kleines buch ohne Aufschrift. Es war in schwarzes Leder gebunden und ein purpurroter Faden der als Lesezeichen diente ragte aus einer der letzten Seiten. Ein Tagebuch! Schoss es Vincent durch den Kopf.

Ob es auch seinen Eltern gehörte? Er musste es lesen aber hier im halbdunklen Keller war nicht die richtige Zeit dafür. Er kletterte heraus dem Keller, verschloss ihn wieder sorgfältig und eilte dann die Treppe ins Obergeschoss zu seinem Zimmer hoch. Dort setzte er sich an seinen Schreibtisch und schlug die erste Seite auf.

Seine Enttäuschung war groß als er feststellen musste, dass diese genauso wie die zweite und dritte leer war. Er blätterte schnell durch das Buch. Keine der Seiten war beschrieben. Nicht einmal die mit dem Lesezeichen markierte. Wütend und enttäuscht schlug er energisch wieder die erste Seite auf, wobei er sich mit den scharfen Kanten des Papiers in seinen Zeigefinger schnitt.

"Verdammte Scheiße"
fluchte er laut, während das Blut aus seinem Finger auf das blütenweiße Papier tropfte und dort einzusickern begann. Doch was er dann sah ließ Vincent seinen Zeigefinger sofort vergessen. Das Blut verschwamm auf dem Papier und fing an Buchstaben zu bilden, die im Papier eintrockneten. Entsetzt sprang er auf und riss dabei seinen Stuhl um.

Er wollte hier weg! Vincent wurde schwindelig und sein Sichtfeld verkleinerte sich. Er musste zur Tür! Als er die Klinke in der Hand hatte wurde alles schwarz und er spürte nicht mal mehr wie er nach hinten fiel und hart auf dem Boden aufschlug.

Als Vincent die Augen öffnete saß er an einem Schreibtisch und das Buch lag vor ihm. Erst dachte er, er müsse eingeschlafen sein doch dann sickerte die Erkenntnis, das er sich nicht mehr in seinem Zimmer befand langsam zu ihm durch.

Die massive Eichenholztisch, an dem er saß, thronte vor einem großen Fenster, von dem aus Vincent in eine verschneite Straße, die, im Licht der untergehenden Sonne, von hohen Bäumen gesäumt wurde und einen schönen Garten mit gepflegten Hecken und Blumenbeeten blicken konnte. Es waren nur noch ein paar Menschen auf der Straße, die alle den Eindruck machten als hätten sie es eilig nach Hause in die schicken alten Häuser mit großen Vorgärten zu kommen.

Der Boden war mit einem edlen Teppich ausgelegt und neben einem großen Bett standen einige Bücherregale an der weiß gestrichenen Wand.

Eine Schreibtischlampe brannte neben dem vor ihm ausgebreitet Buch.
Vincent blickte erneut aus dem Fenster und erschrak als er sein Spiegelbild sah.
Er hatte hellbraune kurze haare blaue Augen und ein kantiges Gesicht mit einer schmalen knochigen Nase. Der junge Mann im Spiegelbild sah älter aus als Vincent. Vielleicht in etwa um die 20. Langsam hob Vincent seine rechte Hand und legte seine Linke auf dem Tisch ab. Die Spiegelung tat es ihm gleich.

"Was zum Teufel ist hier eigentlich los?"
murmelte er ungläubig.
Obwohl alles so real schien hatte Vincent nicht das Gefühl ,dass er Einfluss auf das nehmen konnte was passierte er kam sich mehr vor wie in einem Traum den er durchlebte. Er blickte auf den Tisch hinunter, fuhr vorsichtig mit den Fingern über die aufgeschlagene Seite und begann den Eintrag zu lesen.

 

 


Ich glaube, ich haben nun herausgefunden wer er ist und was er tut. Doch wen er es ahnt bin ich möglicherweise selbst schon längst in seinem Visier. Wenn ich nicht falsch liege bedeutet das, dass ich in großer Gefahr bin. Für den Fall das ich nicht mehr lange Zeit habe schreibe ich nun selbst ein paar Sätze in dieses Buch .Ich habe nicht mehr genug Zeit alles zu erklären, denn ich muss hier weg und hoffe das es nicht zu spät ist, dass er noch nicht weiß, wo ich bin. Wenn du das hier liest tust du mir Leid, denn jetzt bist du selbst schon ein Teil dieses grausamen Spiels und musst es beenden.

bevor du seine Aufmerksamkeit auf dich lenkst, bevor er dich findet. Versuche nicht es zu zerstören denn wenn du das hier liest bin ich möglicherweise bald tot und meine Aufzeichnungen sind das einzige was noch zur Gerechtigkeit führen kann, zähle eins und eins zusammen! Beende was vor langer Zeit angefangen wurde......."


Vincent sah eine kleine Schatulle an der Tischkante stehen. Ob sie etwas Wichtiges enthielt, über das der Autor des Tagebuches gesprochen hatte? Er musste sie verstecken vor was auch immer der Autor ihn gewarnt hatte. Panik stieg in ihm auf als er das kleine Kästchen nahm und sich erneut im Raum nach einem geeigneten Versteck umsah.

Zuerst überlegte er die Schatulle im Regal zu verstecken fand allerdings keinen unauffälligen Platz. Dann kam ihm eine Idee. Er hob die Ecke des Teppichs an und tastete den Holzboden nach einem losen Brett ab. Nachdem er fündig geworden war trat er mehrmals heftig auf dessen Kanten und löste es dann vorsichtig von den benachbarten Brettern ab, um diese nicht zu beschädigen. Dann legte er die Schatulle in das Loch und setzte das Holzbrett behutsam wieder ein. Als es heftig an der Tür klopfte zuckte er zusammen.

Schnell breitete er den Teppich wieder über dem Boden aus und lauschte. Das Klopfen war wieder zu hören diesmal noch lauter, noch aggressiver. Vincent`s Herz raste, als er sich unter den Tisch kauerte, das Licht der Schreibtischlampe löschte und die Augen schloss. Vielleicht hatte wer auch immer dort draußen stand noch nicht bemerkt das im Dachzimmer Licht brannte und ging davon aus er sei nicht zuhause.

"Das ist alles nur ein Traum. Nichts von dem was hier geschieht, geschieht wirklich. Alles was ich tun muss ist aufwachen."

Ein paar Sekunden absolute Stille. Dann hörte er das Geräusch von berstendem Glas und sah wie die Splitter von dem, was mal das Fenster gewesen war sich im ganzen Raum verteilten.

Als Vincent die Augen wieder öffnete war seine Sicht verschwommen und sein Kopf schmerzte.

"Autsch"
Hörte er sich selbst sagen als er sich aufsetzte und mit großer Erleichterung feststellte, dass er sich wieder in seinem Zimmer befand. Er richtete sich auf und sah zum Balkon hinaus. Die Sonne ging schon fast unter er musste mehrere Stunden bewusstlos gewesen sein und trotzdem fühlte er sich Todmüde. Vincent musste über seinen dummen Traum lachen als er zurück zum Schreibtisch ging um das Buch wegzupacken, doch er erstarrte, als er sah dass es aufgeschlagen war und die Seite mit genau jenem Text beschrieben war, den er im Traum gelesen hatte. Darunter prangten in großen blutroten Buchstaben die Wörter. "NOCH 12 TAGE."

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Ah eine Zusammenfassung, das ist ja praktisch.

Schreibst du die Geschichte gerade jetzt oder hast du sie schon vor längerer Zeit geschrieben?

Ich habe vor langer Zeit angefangen an dieser Geschichte zu schreiben und sehe sie als eine Art ersten Versuch mit dem Schreiben von fiktiven Geschichten. Allerdings ist die Formatierung und die Rechtschreibung (wie du vermutlich gemerkt hast) im Originaltext kompletter Müll und das zu korrigieren dauert immer etwas.
Das Besondere an der Geschichte ist, das man von Kapitel zu Kapitel merken kann, wie sich mein Schreibstil etwas verändert und ich versuche das Ganze immer weiter auszubauen.

Gut geschrieben, spannend, super.

Danke, ich gebe mein Bestes. Montag geht es weiter.

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