Battlefront II: Einzelspieler Test

in #test8 years ago

Battlefront II: Einzelspieler-Test

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Oh EA, was habt ihr da nur wieder angestellt? Der Stachel, dass man letztes Jahr mal nicht zur "Schlechtesten Firma in Amerika" gewählt wurde (die Ehre ging an Comcast), muss tief gesessen haben. Anders kann ich mir nicht erklären, wie man erst die Marke "Mass Effect" mit Karacho vor die Wand setzt, und dann noch Battlefront, eine ohnehin angeschlagene Marke, lachend in die Kreissäge rennen lässt.

Battlefront II hat auf Metacritic aktuell eine durchschnittliche Wertung von 67 bei Kritikern und eine unglaubliche 0,9 von 10 durch die Nutzer erhalten. Wie zu erwarten schießen sich sowohl Presse, natürlich deutlich zurückhaltender, und die Nutzer auf die Debatte um Mikrotransaktionen, daraus resultierendes P2W, ein. Eine Debatte, die hier, wie auch schon bei Warner Bros. "Mittelerde: Schatten des Krieges", vollkommen berechtigt und notwendig ist.

In diesem Beitrag setze ich mit diesem Thema aber nicht auseinander, da es hier erstmal nur um die nun endlich vorhandene Einzelspieler-Kampagne geht. Zu dieser gibt es nämlich mehr als genug zu sagen, denn auf den ersten Blick macht sie ganz viel richtig, nimmt dann aber an vielen Kreuzungen die falsche Ausfahrt ... oder biegt erst gar nicht ab.

Die Einzelspieler-Kampagne:

Battlefront II hat nun endlich auch eine Einzelspieler-Kampagne erhalten und allein für die Ankündigung haben EA, sowie die beteiligten Entwickler DICE, Motive Studios, Criterion, beachtliche Vorschusslorbeeren erhalten. Waren diese nun wirklich verdient?

Story (Spoilerfrei):

Während der gut 5 bis 8 stündigen Kampagne schlüpfen wir in die Haut von Commander Iden Versio (Schauspielerin: Janina Gavankar), die das imperiale Spezialeinsatzkommando "Inferno Squad" leitet. Ein seltener Einblick in die Gefühlswelt eines vermeintlich bösen und imperialen Charakters, sowie dessen Umfeld, der dem Spieler hier ermöglicht wird.

Gemeinsam mit der Einheit, vorrangig dem sympathischen Agent Del Meeko, und anderen bereits etablierten Charakteren des Star Wars Universums erlebt man eine kurzweilige Geschichte mit vorhersehbaren Wendungen, die sich zeitlich gesehen zwischen "Episode VI: Rückkehr der Jedi-Ritter" und "Episode VII Erwachen der Macht" ansiedelt.

Leider bleiben die Charaktere, vorallem die aus der zweiten Reihe, eher dünn und eindimensional. Die vorrangige Ursache liegt hier meiner Meinung nach bei der Zeit, dabei angewandt auf verschiedenste Faktoren.

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Die Kampagne ist, wie eingangs erwähnt, nicht besonders lang und entspricht mit seiner Länge eher dem gängigen Shooter-Standard, den z.b ein Call of Duty: Modern Warfare 2 vorgelebt hat, und bietet so ein sehr enges Korsett. Entsprechend schwer tut sich die Geschichte dann auch damit sich in dieses zu zwängen. Schließlich erstreckt sich die dargebotene Geschichte auch noch über einen relativ großen Zeitraum von 6 Monaten. Oder eher knapp 30 Jahre, wenn man noch die Endsequenz und die bald erscheinende Zusatzmission "Battlefront 2: Resurrection" (13. Dezember 2017) mit einbezieht.

Also wenig Zeit um möglichst viel zu erzählen, eine tolle Prämisse. Schlimmer wird das Ganze noch durch den Fakt, dass man in diversen Missionen eben nicht Iden Versio spielt und selbst dem eigentlichen Hauptcharakter so Möglichkeiten zur Entfaltung, sowie dem Spieler eine Bindung zu seiner Figur, vorenthält.

So vernichtend das klingt, so milde gestimmt war ich dann dennoch als der Abspann in den Sternenhimmel davon zog. Denn gut gelungene Zwischensequenzen, hervorragende Sprecher (Anm. Gespielt wurde im engl. Original), ein dem Star Wars Standard gerechter Soundtrack, eine gehörige Portion Action-Bombast in großen Arealen, sowie die getreue Wiedergabe von bekannten wie beliebten Charakteren, retten das verschwendete Potential irgendwie ins Ziel.

Gameplay

Der Mut, den die Entwickler durch die Seitenwahl zumindest am Auftakt ihrer Geschichte beweisen, den vermisst man beim Kern des Gameplays leider schmerzlich. Hier verfährt man nämlich ganz getreu nach dem englischen Ausdruck "tried and tested" und konfrontiert den Spieler mit viel Bekanntem.

So handelt es sich bei den meisten Missionen am Boden um eine Mischung aus Hordenmodus und Checkpoint-Shooter. Entweder verteidigt man einen Raum, ein Objekt, eine Stellung, gegen munter heranrückende Feinde, oder bahnt sich seinen Weg durch einen mehr oder minder breiten Schlauch um zum nächsten Checkpoint zu gelangen.

Iden kann sich dabei verschiedenster Waffen bedienen; Ein Standard-Blaster, eine Scharfschützengewehr, ein Sturmgewehr, sowie einem schweren Sturmgewehr. Thermaldetonatoren, Flash-Granaten, Raketenwerfer, Mini-Geschütz, Streukanone (Shotgun), Scan, und ein mobiles Schild, komplettieren die Auswahl. Zudem ist es ihr möglich, sofern unentdeckt, einen Gegner lautlos im Nahkampf zu überwältigen, oder ihrem ID10-Sucherdroiden den Befehl zum Schocken zu erteilen. Vor den Missionen lässt sich hier relativ beliebig kombinieren, während der Missionen dann nur noch an designierten Kisten, die im Areal versteckt sind.

Leider steht einem nicht direkt das ganze Arsenal zur Verfügung, aber auch das würde nicht darüber hinweg täuschen, das die vermeintlich große Vielfalt gar keine ist. So suggeriert das Vorhandensein eines Schockdroiden, Umgebungsscans, Scharfschützengewehrs, und des lautlosen Überwältigens, die Möglichkeit einer schleichenden Herangehensweise, aber in der Praxis ist diese dann nahezu nicht umzusetzen. Grund dafür ist z.B der Mangel an umgebungsorienterter Bewegung des Charakters. Iden kann sich weder an Deckung anlehnen, noch ihre Feinde in irgendeiner Weise effektiv ablenken. Zudem ist der Sichtradius der Feinde schlicht nicht einzuschätzen, oder manche sind gleich so platziert das eine Entdeckung und der daraus resultierende Showdown zum Pflichtprogramm werden. So überwältigt man vielleicht noch die ersten zwei Gegner, kommt dann aber nicht mehr rechtzeitig aus dem Sichtfeld des sich plötzlich umdrehenden Dritten und ... "Stöhn. Dann eben doch Frontal."

Und wie spielt es sich dann so als Frontschwein? Das Waffenfeedback und das generelle Gunplay fühlen sich satt sowie zufriedenstellend an. Durch den wuchtigen Sound wird das Ganze nur verstärkt. Iden bewegt sich sehr flüssig, auch wenn sie komischerweise nicht über Hindernisse vaulten kann, und die Ausweichrolle gibt genug Möglichkeit auf schweren Beschuss oder Explosionen zu reagieren. Je nach Waffen und Fähigkeitswahl pflügt man nur so durch die Gegnerhorden. Das fühlt sich erst einmal gut und passend an, schließlich ist man Teil eines Spezialeinsatzkommando, aber dann merkt man wie wenig es den Spieler selbst fordert. Irgendwann hat sich eine gewissige Gleichgültigkeit zum Geschehen bei mir eingestellt, wenn die Szenerie mal nicht über das Gameplay hinwegtäuschen konnte.

Schuld trägt hier vorallem eine selten dämliche KI (Künstliche Intelligenz), die die Feinde bewegt und Entscheidungen treffen lässt. Selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad fühlt man sich noch wie bei den Lemmingen. (Anm. Kleine süße Wesen, die sich nichts mehr als den Tod wünschen) Zwar suchen sie Deckung, aber strecken ihren Kopf stets todesmutig hervor um einen sauberen Kopfschuss zu ermöglichen. Zwar eröffnen sie aus allen Rohren das Feuer, aber wie sich das bei Star Wars gehört trifft das Feuer alles außer den Helden. Die hohen Schadenszahlen, wenn denn mal ein Treffer ankommt, zwingen einen zwar manchmal in Deckung, aber an ein kluges Flankieren denkt die KI dann nicht. Im Endeffekt kann man sich (leider) nur selbst in Gefahr bringen.

Hier ein Beispiel:

Wenigstens versuchen die Entwickler die Gameplay-Abschnitte abwechslungsreich zu gestalten. So wechselt man aufgrund der Story nicht nur oft den Schauplatz, sondern schlüpft in verschiedene Rollen oder in das Cockpit eines Raumjägers.

Die Heldenmissionen (so taufe ich sie mal) sind noch einfacher als die restlichen Missionen, da deren Waffen und Fähigkeiten einen zu großen Bumms für die schwache KI bieten. Ein Umstand den ich hier verzeihen kann, denn hier handelt es sich schließlich um Ikonen des Universums die in einer eigenen Machtblase leben. Zwar wird es auch hier gern mal langweilig (gerade in der Mission, die sich auch als Pestbekämpfung bezeichnen lässt) , aber die flotten Sprücher zweier "Kollegen" zünden ab und zu dann doch. Zudem sind die Charaktere gut getroffen, die Missionen knackig in der Länge, und bieten so etwas Kurzweil. Negativ fallen sie nur im Bezug auf die Story auf, siehe oben.

Im Cockpit eines Jägers fühlt man sich direkt wohl, vorallem wenn man einen Joystick oder Controller zur Hand hat. Auch mit Maus & Tastatur geht es aber entsprechend einfach von der Hand. Zu verdanken hat man das gute Handling der Vehikel hier eindeutig dem erfahrenen Entwickler Criterion Games (Burnout, Need for Speed), die die Jäger flüssig durch das All tanzen lassen und einen in kompromisslose Dogfights werfen. Die Szenerie ist hier, ähnlich der Eröffnungssequenz von "Episode III Rache der Sith", für Aug und Ohr so manchmal ein Augenschmaus. Leider bieten auch hier weder die Missionsziele noch die Gegner eine wirkliche Herausforderung, zudem sind die Ausflüge in All und Himmel stets sehr kurz gehalten.

Generell bleibt zu sagen, dass der Einzelspieler sich gerade in den Missionen am Boden zu wenig von seinen Wurzeln wegtraut. Ein ähnliches Problem hatten auch schon die "Kriegsgeschichten" von Battlefield 1. Es fühlt sich zu sehr nach einer arcadigen Vorbereitung auf den Mehrspieler an. Dabei hätte das Setting einen Spezialeinsatzkommandos deutlich mehr Möglichkeiten geboten, siehe die Versuche die einst ein Star Wars Republic Commando gewagt hat. Ein Spiel das heute noch für gute Erinnerungen bei Fans und auch bei mir steht.

Fazit zur Kampagne

Ach, was wäre es einfach wenn ich nun nur die Geschichte an sich bewerten müsste. Denn das fällt natürlich bei all der Subjektivität bei so einer Entscheidung deutlich einfacher, als eine Verkettung von Story, Gameplay, Inszenierung, Grafik, und Sound, zu bewerten. Gerade die Geschichte mit ihren offensichtlichen Stärken und Schwächen knüpft für mich nahtlos an das an was auch die Filme aus dem Universum bisher geboten haben. Keine unbedingt vielschichtigen Charaktere, ein Hauch mehr Märchen als ernstzunehmende Science-Fiction und eine daraus resultierende "kindliche Magie", ein grandioser Soundtrack und packende wie bombastische Szenerien.

Nehme ich nun aber das Gameplay dazu, das bei einem Spiel immernoch an erster Stelle stehen sollte, dann fällt das Ganze schon wieder einen deutlichen Schwank ab. Zu einfach, schlechte KI, durchschaubare Schlauchlevel, nur vorgetäuschte Vielfalt, keine wirkliche Squad-Mechanik. Dennoch durch die Abwechslung der Missionstypen, das solide Gunplay, und die Szenerie, einigermaßen launig.

Bei der Bewertung der Grafik bin ich aufgrund meiner etwas schwächeren Hardware minmal behindert, sodass alles nur auf den hohen Einstellungen gespielt wurde. Technische Kniffe wie Film Grain, Chromatic Aberration und ein inflationärer Einsatz von Lens-Flares (die man der Macht sei Dank abschalten kann) trüben eine doch recht ansehnliche Grafik. Weniger habe ich von der Frostbyte-Engine aber auch nicht erwartet. Der Einsatz von Motion-Capture, nicht wie bei Mass Effect: Andromeda, sorgt zudem für nachvollziehbare und flüssige Bewegungen während der Zwischensequenzen und des Gameplays.

Der Sound und zugehöriger Soundtrack sind über jeden Zweifel erhaben. Denn wenn eine Explosion meinen Rechner und mein Hirn vibrieren lässt, während filmgetreues Blasterfeuer zu orchestralen Klängen von allen Seiten kommt, dann schreit das einfach Star Wars aus jeder Pore des Spiels.

Story, Inszenierung, und Gameplay sind Durchschnitt. Grafik und Sound heben die Gesamtwertung noch einmal positiv an, sodass die Battlefront II Kampagne für mich ein "positiv durchschnittliches" Spiel ist.

6 von 10 Punkten

Was haltet ihr von der Kampagne? Seid ihr ähnlich milde gestimmt, oder habt ihr eine ganz andere Meinung? Ich freue mich auf eure Meinung, sowie etwaige Anmerkungen über Fehler und Feedback, in den Kommentaren.

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