Foo Fighters: Der Überlebende aus dem Nirvana
Foo Fighters: Im 26. Jahr seiner eigenen Band ist Ex-Nirvana-Trommler Dave Grohl erfolgreicher als es seine frühere Kapelle je war - jetzt mit Damenchor und Zeppelin-Gitarre.
Es geschah in grauer Vorzeit, als polnische Schallplattenhändler auf den Boulevards der DDR illegal anboten, was es legal nicht gab in der Arbeiter- und Bauernrepublik. Die besten Hits, die neusten Werke der größten Bands der Welt - dumm nur, wer kaufte und daheim nach dem Auflegen des neuen Albums von Neil Young oder den Rolling Stones nur polnische Volksmusik zu hören bekam.
Falsche Platte in der Verpackung, so klingen nun auch die ersten Sekunden des neuen Werkes der Foo Fighters. Statt harter Gitarrenriffs ein Damenchor. Nanahnanananana singt es schunkelig zu Akkorden wie aus dem Lehrbuch für Elektrogitarristen. Das Schlagzeug stampft immerhin schon mal zünftig. Und nach einer halben Minute ist er da, Dave Grohl, Gründer, Gitarrist und Sänger der Band, die nach Nirvana kam und heute größer und erfolgreicher ist als es das Grunge-Trio um Kurt Cobain, Dave Grohl und Krist Novoselic je hätte werden wollen.
Gelassene Größe
Zu jung, zu dumm, zu schnell berühmt und viel zu viele Drogen, die bei Nirvana-Sänger Cobain auf eine lebenslang trainierte Schwermut trafen. Am 5. April 1994 erschoss sich der gerade einmal 27 Jahre alte Komponist von Welthits wie „Smells Like Teen Spirit“ und „Heart-Shaped Box“ in seinem Haus in Seattle.
Zurück blieben mit Bassist Novoselic und Trommler Grohl zwei Männer, die bis dahin im Schatten des jesusgleichen Grunge-Gottes gestanden hatten. Mitgehangen, aber nicht mitgefangen. Während Krist Novoselic der Musik weitgehend den Rücken kehrte und sich heute als Zeitungskolumnist und politischer Aktivist engagiert, nahm Dave Grohl das Ende als Chance. Der gerade mal 25-Jährige, der schon bei Nirvana Songs geschrieben hatte, die allerdings abgesehen von der langsamen Nummer „Marigold“ nie Gnade vor den Augen von Cobain fanden, startete nur wenige Monate nach dem Ende seiner ersten Weltkarriere neu.
Erst war es ein Demotape, dann wurde es eine richtige Band. Grohl, bis dahin Drummer, wechselte an Gitarre und Mikrofon. Mit dem zehn Jahre älteren Gitarristen Pat Smear, der schon Nirvana bei Liveauftritten unterstützt hatte, und Nate Mendel von der legendären Emo-Band Sunny Day Real Estate am Bass fand er zwei kompetente Mitstreiter. Und mit Taylor Hawkins einen Trommler, der Gnade vor seinen Ohren fand.
Benannt nach den „Foo Fighters“, angeblich geisterhaft leuchtenden Himmelsobjekten, die alliierte Piloten im Zweiten Weltkrieg beobachtet haben wollen, arbeitete sich die Gruppe in nicht einmal einem Jahrzehnt an die Spitze der Charts und aus kleinen Hallen in die größten Stadien und Arenen. Es hagelte Hits wie „Everlong“, „The Pretender“ und „These Days“, Grammys und Brit Awards und zahllose andere Preise.
Nun aber singt Dave Grohl waidwund er brauche Medizin, doch sie könne ihn nicht heilen. Von wegen Tanzmusik, wie Grohl zuvor angekündigt hatte, von wegen David Bowie und „Let’s Dance“. „Medicine at Midnight“. Das mittlerweile zehnte Studioalbum des heute sechsköpfigen Rockorchesters klingt trotz des langsamen Line-Dance-Stückes „Shame Shame“ mehr nach Led Zeppelin und Kiss als nach flotter Sohle.
„Love Dies Young“ belehnt dann sogar ausdrücklich eine Kapelle, auf die sich bei den Foo Fighters alle einigen können: Das Eingangsriff ist ein schönes Zitat von Brian Mays Arbeit beim Queen-Hit „Tie Your Mother Down“, zu dem sich wenig später auch noch eine hübsche Reminiszenz an die schottische 80er-Jahre-Band Big Country und deren Hit „Look Away“ gesellt.
Der große alte klassische Rock, immer wieder totgesagt und begraben in den abgelegenen Endmoränen der Metal- und AlternativrockCharts, mit Grohls Foo Fighters steigt er selbstbewusst aus der Gruft. Auf der Party, die hier gefeiert wird, gibt es keine Pillen, sondern Drinks und Kippen und Erinnerungen wie in „No Son of Mine“, einer kurzatmig getrommelten Nummer, die Dave Grohl dem legendär trinkfesten Motörhead-Chef Lemmy Kilmister hinterherruft, einem seiner Idole seit Kindertagen.
Ein Lied für das Idol
„Wenn in einem unserer Songs so ein klotziges Gitarrenriff auftaucht, stammt es ganz klar aus dem Lemmy-Bereich“, gesteht Grohl, der sich seiner Rolle als Erbverwalter der großen Tage des Rock’n’Roll bewusst ist. In „Chasing Birds“ versucht er sich dann als Simon & Garfunkel und in „Waiting On A War“ blickt er zurück auf Zeiten, in denen Kinder mit Holzgewehren spielten und auf den Kriegsausbruch warteten. Und sich, weil der nicht kam, schließlich in die Stimmen aus dem Radio verliebten.
Internetseite der Band
www.foofighters.com