Hallo, ich bin's, der Staat

in #deutsch7 years ago

Ja, auch ich kann mir Clickbait-Titel ausdenken. :)

Worum es mir eigentlich geht? Um diesen Kommentarauszug:

In einer Welt ohne Staat bin ich bewaffnet oder delegiere das per Vertrag.

Quelle

Wieso hab ich damit ein Problem?

Nun, schon zum ersten, weil jeder diesen einen Kollegen, Bekannten oder was auch immer kennt, dem er nicht über den Weg traut. Und noch fünf andere, denen man aus anderen Gründen und in variierender Qualität ebenfalls Kompetenz abspricht.

Zum zweiten: Ich hatte vor ein paar Tagen auf die "Precrime"-Doku des WDR verwiesen. Im Prinzip geht's da um Datenhandel und um Auswertung dieser Daten. Polizeisoftware ist auch in Deutschland nicht neu und auch schon öfter in der Kritik gewesen.

Zum dritten: bin ich - als Ehrenamtliche in einer Hilfs- und in einer Katastrophenschutzorganisation - tatsächlich "der Staat". Zumindest in der Wahrnehmung der Leute, für deren Sicherheit und Gesundheit wir zuständig sind. Wie ich @argalf schon mal schrieb: innere Abgrenzung ändert daran gar nichts.
Immerhin darf ich das Privileg genießen, nicht in der Dienstkleidung die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen zu müssen. (Manchmal mache ich es aus Bequemlichkeit doch, denn bei meinen Maßen paßt die Kleidung nicht in einen kleinen Rucksack. Den Spruch "Oh, die Organisation fährt auch in den Urlaub habe ich in der S-Bahn auch schon gehört.)
Ich muß nicht im Ernst hier darüber diskutieren, ob ohne die Tausenden Ehrenamtlichen aus ganz Bayern (!) und teilweise darüber hinaus der durch den nicht jahreszeitlich untypischen, aber gleichsam in zu kurzer Zeit eintreffenden Schneefall ausgelöste Katastrophenfall, die Gefährdung mehrerer Ortschaften, abgearbeitet hätte werden können. (Wer doch Diskussionsbedarf hat, kann gern bei @babschnae nachlesen ...)

Viertens: es gibt inzwischen genug private Infrastrukturprojekte, die "am Arsch" sind. Angefangen bei der Bahn über den Flughafen BER landet man irgendwann beim Netzausbau im Allgemeinen und bei 5G im Besonderen. Sollte nicht auch der Stuttgarter Bahnhof schon fertig oder zumindest die Bauarbeiten weiter sein? Ich schlage mich nicht bis ins kleinste Detail auf die Seite der Privatisierungsgegner, möchte aber grundsätzlich festhalten, daß die Welt und ihre Anforderungen nicht einfacher, sondern komplexer werden. Und damit teurer und personalintensiver. Fachkräfte wachsen aber nicht auf Bäumen.

Nochmal zurück zum Eingangszitat. "Ich regle das per Vertrag" sagt sich, wie ich finde, unglaublich leicht, solange es ein theoretisches Konstrukt bleibt. Solange man keine Erfahrung damit hat. Solange man nicht realisiert hat, daß es immer noch Menschen sind, die diese Arbeiten machen.
Personalkosten sind aber schon immer eine Schraube, an der gern gedreht wird. Ausbildungskosten werden in der Wirtschaft im Allgemeinen auch schon seit den 2000ern gespart, wo es nur geht. Warum sollte dieser Trend sich umkehren?

Wie gut das mit den Verträgen nicht funktioniert, könnte man den Vorgängen der letzten Wochen in den Vereinigten Staaten entnehmen. Vorausgesetzt, man ist bereit, diese kritisch zu betrachten.

Liebe junge Leute, die ihr hier wegen Meinungsfreiheit herkommt, die es angeblich nirgendwo anders gibt: man hat Euch einen Bären aufgebunden. Mitteleuropa ist in punkto Meinungs- und anderer Freiheiten viel cooler, als ihr es euch vorstellen könnt. Macht euch das bitte nicht kaputt. Die Älteren, die etwas anderes verbreiten, kümmern sich um die Folgen ihrer Äußerungen nämlich kein Stück.

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"Mitteleuropa ist in punkto Meinungs- und anderer Freiheiten viel cooler, als ihr es euch vorstellen könnt..."

Jepp, mit ein wenig Überlegung und Vergleichen sollte jeder gesunde Verstand das sehen können.

Es gibt ein paar Dinge die sind zu wichtig as dass ich sie jemandem überlassen würde der damit Geld verdienen will. Das fängt bei meiner Sicherheit an und geht über Bildung bis zur Wasserversorgung quer durchs Alphabet. Klar ist bei Betrieben der öffentlichen Hand einiges stark verbesserungswürdig, aber das liegt nicht per se an der Unternehmensform.

Wow, wo gibt's die kostenlosen Politiker und Staatsbediensteten?

Das wichtigste im Leben eines Menschen ist wohl Essen und Trinken, oder?
Wenn der freie Markt so böse ist, warum haben wir dann solch einen Überfluss an Lebensmitteln?
Hatten die in der DDR auch solch einen Überfluss an Lebensmitteln?
Wie sieht es mit der Lebensmittelversorgung in Venezuela aus?
Wie sah die Lebensmittelversorgung in der Zeit von 1945-1948 aus, als es staatliche Preiskontrollen und Rationierung gab?
Warum waren nach der Abschaffung der Preiskontrollen und der Währungsreform plötzlich die Läden wieder voll?

Falls das wirklich eine Antwort auf meinen Kommentar war - wo ist da von "Essen und Trinken" die Rede? Gut, ich sprach von Wasserversorgung ;)

Es gibt ein paar Dinge die sind zu wichtig as dass ich sie jemandem überlassen würde der damit Geld verdienen will.

Was ist wichtiger als Essen & Trinken?
Wenn es der freie Markt schafft dich zu füttern, warum sollte er es dann nicht schaffen, Dich zu schützen, oder dich mit Wasser zu versorgen?

Ich erinnere mich noch gut an das Wählscheibentelefon von der Bundespost mit 23 Pfennig Kosten für 1 min telefonieren.
Glaubst Du mit der Bundespost hätten wir heute Flatrates und Smartphones?

Wenn es der freie Markt schafft dich zu füttern, warum sollte er es dann nicht schaffen, Dich zu schützen, oder dich mit Wasser zu versorgen?

Weil es immer noch Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen von "guter Arbeit" gibt!
Gerade ein Berufsschullehrer müßte das wissen!
(Zu meiner Zeit kam ein an der vor allen von Hauptschülern und Realschülern besuchten Technikerschule angestellte Lehrer einmal über eine Viertelstunde zu spät. Er hat sich dann entschuldigt mit der Aussage, daß er es letztlich nicht gewohnt sei, daß Schüler pünktlich seien. Wir waren da aber schon im 2. Lehrjahr - und bedingt durch das Einstellungsverhalten der Firmen fast nur Abiturienten ... klingt böse, war aber exakt so und macht mich auch jetzt noch traurig.)

Und in punkto Wasser hast Du gerade auf Steemit hier mehr als eine Augenzeugenquelle, die dir bei Bedarf was über das Trinkwasser in den USA erzählen wird.
JEDER Tourist, der nicht aus Europa kommt, wundert sich, daß wir Deutschen Wasser aus dem Hahn trinken!

Was ist wichtiger als Essen & Trinken?

Ein Dach über dem Kopf. Und ein Netzwerk an Personen, die in Notfällen helfen.
Wer von Euch Liberalos ist denn in einer Hilfsorganisation aktiv? Ich glaube: keiner!

Ich habe das Leitungswasser als ich auf Truppenaustausch in den USA war wochenlang getrunken. Schmeckt nach Chlor, aber man gewöhnt sich daran.
Auch ist der Markt für Leitungswasser in den USA nicht frei.
Die USA ist kein gutes Beispiel für eine freie Marktwirtschaft. Etwas freier als unsere, aber nicht wirklich frei.

Nein, ein Dach über dem Kopf hilft Dir nichts, wenn Du nichts zum Essen hast.

Wer von Euch Liberalos ist denn in einer Hilfsorganisation aktiv?

Über die anderen weiß ich nichts.
Ich bin in keiner aktiv. Ich arbeite 7 Tage die Woche (70-80h) und habe Familie.
Nicht jeder hat so viel Zeit wie Du.

Ich möchte mein Wochenende nicht damit beginnen diese Diskussion wieder aufleben zu lassen.

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Die ostdeutschen Läden (die anderen wirst du wohl wegen "ich war noch viel weniger dabei" nicht meinen) waren ab der Währungsreform voll mit um das Fünf- bis Zehnfache teureren Lebensmitteln.
Ich wüßte nicht, daß sich die Löhne im selben Tempo angeglichen hätten.

Der "freie Markt" beschert der Gesellschaft aktuell auch: regelmäßigen Antibiotikamißbrauch bei der Fleischerzeugung, eine zunehmende Hinwendung der Jugend zur veganen Lebensweise (die auch kein Allheilmittel ist!), Flugpreise, die die entstehenden Personalkosten nicht decken, kaputte Verkehrswege und den Ausschluß von Personengruppen aus dem Berufsleben, die nicht ausgeschlossen sein müßten.

Die ostdeutschen Läden...

Freier Markt in der DDR?
Oder meintest Du nach der Wiedervereinigung?
Waren so stark zu subventionieren, dass jeder Verkauf einen Verlust darstellt ist eben kein gutes Geschäftsmodell und die Löhne konnten nicht so schnell steigen, weil die ostdeutsche Wirtschaft zum großen Teil zusammengebrochen war und die restlichen Betriebe, die man mittels Treuhand am Leben gehalten hat waren in keinster Weise konkurrenzfähig.
Sei froh, dass es so harmlos gekommen ist wie in Ostdeutschland (bedingt durch die gigantischen Geldtransfers vom Westdeutschen Steuerzahler).
In der UdSSR sind die Leute verhungert, da es keinen gab, der sie finanziell unterstützt hat.
40 Jahre Sozialismus haben eben ihren Preis.
Leider mussten ihn hauptsächlich diejenigen bezahlen, die nichts dafür konnten (die Bürger) und die Bonzen bekamen fette Pensionen vom westlichen Steuerzahler.

Die Probleme die Du beschreibst entstehen hauptsächlich durch staatliche EIngriffe, die den Markt verzerren. Warum kommt von den relativ hohen Preisen für Flugreisen so wenig bei den Fluggesellschaften an? Steuern. Vegane Lebensweise wird propagiert, weil es angeblich das Klima schützt und gesund ist. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Geschichte von Jordan Peterson und seiner Tochter sprechen Bände (diese Website auch: http://meatheals.com).
Ist mir aber im Prinzip egal, es soll jeder so essen wie er will.
Wer ist der Eigentümer der Verkehrswege? Der freie Markt ist es nicht.
Bei der Arbeitslosigkeit sind wir wieder beim gleiche Problem. Zu strenge Regulierung, zu hohe Abgaben, Mindestlohn, allgemeinverbindliche Tarifverträge, etc.
Bei den Asylanten sieht man das ganz deutlich. Man zwingt sie in die Arbeitslosigkeit und macht sie gleichzeitig vom Sozialstaat abhängig. Warum sollen die nicht arbeiten dürfen, während sie auf die Entscheidung ihres Asylverfahrens warten?
Der freie Markt verbietet ihnen nicht zu arbeiten.
Es ist der Staat.
Gleichzeitig schürt das den Hass der einheimischen Bevölkerung, wenn sie sehen, dass hier Leute Geld fürs Nichtstun bekommen.

bin ich - als Ehrenamtliche in einer Hilfs- und in einer Katastrophenschutzorganisation - tatsächlich "der Staat". Zumindest in der Wahrnehmung der Leute, für deren Sicherheit und Gesundheit wir zuständig sind.

Kann sowas nur der Staat? Oder ist nur der Staat dazu in der Lage? Oder willst Du zeigen, wie sozial du bist?

Hier mal ein Beispiel, wie so etwas privat entsteht
https://www.roteskreuz.at/site/leitbild/die-geschichte-des-roten-kreuzes/henry-dunant-und-die-gruendung/

bitte genau durchlesen, dann wirst du auch erkennen, was der Unterschied zum THW ist. Und dann schaue dir den Hintergrund zur Gründung und den Gründungszweck des THW an. Wenn dies erledigt ist, reden wir wieder über den Staat.

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