Deutscher Waldgipfel
Isabella Klais / Aufbruch - Wir für Deutschland!
Das Waldsterben, schon vor 40 Jahren vorausgesagt, sorgt heute durch sein Ausbleiben für einiges an Polemik und Häme. Das ist völlig verfehlt, dumm und riskant, denn es folgt dem Prinzip des sich selbst delegitimierenden Erfolges. Latente Gefahr für den Wald bestand seinerzeit tatsächlich durch Schwefelemissionen der Industrie und konnte durch den verpflichtenden Einbau von Schwefelfiltern abgewendet werden.
Inzwischen sind es Borkenkäfer und heiße, niederschlagsarme Sommermonate, die dem Wald zugesetzt haben. Schon zeichnet sich ab, daß der verregnete diesjährige Sommer mit vergleichsweise moderaten Temperaturen als Beweis dafür herangezogen wird, daß alles halb so schlimm wäre. Das trifft aber nicht zu, denn in der Hitze der Vorjahre abgestorbene Bäume leben jetzt nicht wieder auf.
Der Wald ist wichtig - als Co²-Konvertor, Sauerstofflieferant, Wasserspeicher, Bodenstabilisator gegen Erosion und Refugium für Mensch und Tier. Seine Rolle als Holzproduzent muß dahinter ganz weit zurücktreten. Es mutet wirklich absurd an, daß das hochindustrialisierte, aber flächenmäßig kleine Deutschland Holz in alle Welt exportiert.
Die Problematik ist komplizierter und multikausaler Ursache. Einigermaßen gesichert festhalten läßt sich, daß wir gerade eine Transitionsphase durchleben, in der sich Extreme in repetitiv zusehends kürzeren Intervallen ablösen. Ganz zurückhaltend sollte man mit der Behauptung sein, dies alles sei naturgegeben und nicht menscheninduziert. Das mag zum Teil zutreffen, doch zu einer Exculpierung der Menschen eignet es sich nicht. Die enorme Bevölkerungsexplosion mit damit einhergehendem Flächenverbrauch, Bodenversiegelung und Wasserlaufregulierung zeitigen desaströse Auswirkungen und verstärken natürliche Veränderungen noch zusätzlich advers. Fatal kommt hinzu die Gier zur hemmungslosen und kurzsichtigen Kommerzialisierung, die den Blick auf den wahren Wert von Dingen verstellt. Erst beim Zurückschlagen der Natur wird erkannt, wie falsch - gerade auch unter ökonomischen Rentabilitätsgesichtspunkten - diese Einstellung ist.
Peter Wohlleben, Förster, Gründer der Wohlleben Forest Academy und Bestsellerautor des Buches "Das geheime Leben der Bäume", veranstaltete nun einen „nationalen Waldgipfel“, den man sich als solchen gewünscht hätte. Stattdessen handelte es sich doch eher um ein Symposium über ein Thema, dessen überragende Bedeutung wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte.
Inhaltlich konnte der Veranstalter aus seiner Expertise heraus überzeugende Anstöße liefern, die jetzt Niederschlag bei der konkreten Umsetzung finden müssen - ohne die üblichen Störfeuer von Lobbyisten.
Die Natur ist nicht der schlechteste Lehrmeister - auch in eigener Sache. Bei sich abzeichnender Wasserknappheit kommunizieren Bäume dies untereinander und fahren ihren Verbrauch konzertiert herunter. Die Antwort auf die Frage, was Menschen in vergleichbarer Lage tun würden, fiele sicher beschämend aus. Man ahnt es. Bei Eichhörnchen und ihrer legendären Vorratshaltung brechen keine Lieferketten ein. Das passiert nur den Deppen auf zwei Beinen, der sich für die Krone der Schöpfung halten.
Gerade Patrioten sind gut beraten, sich Umweltthemen aktiv anzunehmen und sie nicht einigen Grünlingen zur Profilierung ohne Substanz zu überlassen. Das Thema muß permanent positiv besetzt und nicht nur bei punktuellen Anlässen situativ aufgegriffen werden. Wenn nicht wir, wer dann?
https://www.dw.com/de/deutscher-waldgipfel-drei-wege-zur-rettung-sterbender-w%C3%A4lder/a-58783868
https://www.dw.com/de/meinung-den-wald-sch%C3%BCtzen-mischw%C3%A4lder-schaffen/a-58772996
https://www.dw.com/de/lagerhaltung-gegen-lieferschwierigkeiten-durch-corona-pandemie/a-58780546
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