Das Hausbüro
Isabella Klais / Aufbruch - Wir für Deutschland!
Die Corona-Krise erfordert in vielen Bereichen Improvisationslösungen. Ob man diese aber auf permanenter Basis festschreiben sollte, bedarf kritischer Überlegung.
Eine Krise wird gerne dazu mißbraucht, Regelungen einzuführen, für die es zuvor keine Mehrheit gab. Möglicherweise bestanden gute Gründe für die Ablehnung, die später wiederaufleben. Doch sollte man die Erfahrungen aus dem erzwungenen Probelauf in die Überlegungen einfließen lassen.
Von der Arbeit von zu Hause aus sind schon einmal alle Berufstätigen ausgeschlossen, die ihre Leistung an bestimmten oder wechselweise an verschiedenen Orten erbringen müssen (Polizei, medizinisches Personal, Bewachungsdienste, Reinigungskräfte, etc.).
Arbeiten von zu Hause aus mag vielen erstrebenswert erscheinen. Man erspart sich die Wege zum Arbeitsplatz und zurück. Die Arbeitszeit läßt sich flexibel einteilen und erlaubt, die privaten Dinge zu Hause ebenfalls zu bewältigen.
Dem stehen jedoch beträchtliche Nachteile gegenüber.
Erste Auswertungen sollen ergeben haben, daß in den Hausbüros die Arbeitszeiten sich tendenziell ausdehnten. Das ist sicher nicht dadurch bedingt, daß zu Hause ein plötzlicher Motivationsschub aufgetreten wäre, sondern durch ineffizienteres Arbeiten infolge zahlreicher Ablenkungen und Störungen, denen Arbeitnehmer am externen Arbeitsplatz nicht ausgesetzt sind. Auch stellt das häusliche Arbeiten höhere Anforderungen an die Disziplin. Diese Erfahrung machten viele schon im Studium, wo das Lernen, das auch zu Hause möglich gewesen wäre, in die Bibliothek verlegt wurde, um Struktur in den Tagesablauf zu bringen.
Wenn man die Kollegen nur noch vom Bildschirm her kennt, mögen unliebsame Reibereien entfallen, aber so entstehen auch kaum ein echter Gruppenzusammenhalt (Wir-Gefühl) und eine gemeinsame Identifikation mit dem Unternehmen (corporate identity). Gefördert wird dagegen durch diese Form des Arbeitens die Einzelkämpfermentalität.
Die Isolierung führt zu einem Defizit an informellen Informationen, die üblicherweise im direkten Kontakt ausgetauscht werden. Auch wer das Kantinenessen und die Kantinenatmosphäre nicht mag, geht bisweilen dorthin, um zu erfahren, wo eine Vakanz im Unternehmen sich abzeichnet, wer für welche Position im Gespräch ist, wer gerade befördert wurde, etc.. Auch führt das Tischgespräch mit Kollegen, die man bisher noch nicht kannte, bisweilen zu wertvollen Kontakten, die sich anders nicht ergeben hätten.
Aus Arbeitgebersicht mag die Eindämmung des informellen Informationsflusses nicht unpraktisch erscheinen. Dafür aber hat die Leitung Mühe, bei plötzlichem akutem Bedarf schnell auf die Mitarbeiter zurückzugreifen.
Insgesamt erscheint das Hausbüro weder aus Arbeitnehmer~, noch aus Arbeitgebersicht erstrebenswert zu sein.
Aus politischer Perspektive sollte man den Satz „Teile und herrsche!“ nie aus dem Auge verlieren.
Anmerkung: Warum reden alle vom home office, wo es einen deutschen Begriff gibt, der definitiv nicht länger ist als der Anglizismus? Wir rufen nur noch mit unserem Schlaufon (dankenswerte Übersetzung unseres Freundes Notan Dickerle für „smart phone“) aus dem Hausbüro an. Alles klar?!