Und es zirkuliert doch!

in #deutsch10 years ago

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman)

Was ist uns etwas wert und wie drücken wir es aus? Wie messen und vergleichen wir unser Wertempfinden untereinander? Für vieles gibt es Geld aus einer der großen pseudonationalen Kreditgeldmonokulturen, also für uns EUphorische Deutsche z.B. den Euro. Für sehr vieles mehr gibt es jetzt Steemit, aber dazu später mehr.

Während der alte Meister Orwell noch Kontinentalkriege zwischen Ozeanien, Eurasien und Ostasien vorhersah, findet das Kräftemessen hegemonial-inspirierter Gemüter heutzutage glücklicherweise eher zwischen Euro- und Dollar-Raum statt, im Konzert von Notenbanken und Top 20 Großbanken. 

Das ist für uns arme Michel trotzdem eher verdrießlich. Wir wollen eigentlich nur in Ruhe ein vernünftiges Geld zum ausgeben und sparen haben und nicht irgendein Konstrukt für das halb Europa auf uns sauer ist, obwohl es nicht einmal so hart ist, wie wir es gerne hätten. Aber das ist nunmal das Wesen des heutigen Geldes. Was früher gülden glänzte und schon durch seine Dichte imponierte, heisst heute gesetzliches Zahlungsmittel mit schuldbefreiendem Annahmezwang und ist in den allermeisten Fällen eine umlauffähige Privatbankverbindlichkeit mit eingeschränkter Konvertierbarkeit (="gesetzliche Einlagensicherung") und steht ohnehin nur als Bits und Bytes auf einer Festplatte. 

Was wäre denn, wenn wir uns auf freiwilliger Basis einigen würden, dass eine bestimmte Einheit, die nicht beliebig vervielfältigbar ist, etwas "wert" sein könnte? Wenn sich ein Marktpreis bilden würde, zunächst z.B. in Bitcoin oder US-Dollar? Diese Einheit hätte dann damit nicht etwa ihren Wert bekommen, aber einen Preis. Denn Steemit ist der Versuch diesen subjektiven Wert zu monetarisieren und ihm ein Preisschild anzuhängen. Der eigentliche "Wert" liegt im Auge des Betrachters.  Wer z.B. Dankbarkeit darüber empfindet, dass ihm in einem Kommentar geholfen wurde, kann nun nicht nur "liken", sondern auch mit seinem "upvote" dazu beitragen, dass dem Helfer geholfen wird. Das setzt in der Praxis bisher ungeahnte kreative und kooperative Kräfte frei und erzieht im besten Sinne zu einem friedlichen Miteinander und dem Ziehen am selben Strang*. Genau das versucht Steemit gerade und hat damit in meinen Augen das aufregendste voluntaristische Experiment aller Zeiten losgetreten. Wenn die Community die Plattform und deren Recheneinheiten wertschätzt, dann ist der Preis nur eine Frage der Verhandlung und woher "das Geld kommt" beinahe uninteressant.

All das läuft freiwillig, alles ohne Annahmezwang. Ohne Staat und ohne Banken. Und es zirkuliert doch.

 *hier würden mich Erfahrungsberichte in den Kommentaren besonders freuen.

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Ciao! Ma quante lingue parli. My German is not great but I upvoted you because you impress me!
I just wrote an article about how Gardens at hospitals or clinics can reduce anxiety, anger and depression. I would appreciate you having a look at it and sharing your comments.
http://steem.link/2t4us

Grazie! Manca francese, ma quello non lo uso quasi mai e ho dimenticato come si scrive. Cmq bellissimo articolo! Upvoted!

Was wäre denn, wenn wir uns auf freiwilliger Basis einigen würden, dass eine bestimmte Einheit, die nicht beliebig vervielfältigbar ist, etwas "wert" sein könnte?

Ich bin nicht so ganz informiert, wie cryptocurrency mining funktioniert, aber soweit ich weiß, basieren Verschlüsselungsprotokolle auf Primzahlen.

So wie ich das sehe, basiert der Wert von bitcoin also schon darauf, dass Primzahlen einen Wert darstellen - Um was privat zu halten.

Und da wären wir wieder am Anfang;

George Orwell läßt Grüßen :)

Wenn Du das so siehst, dann stimmt das. Subjektive Wertlehre. Passt zum subjective proof of work algorhitm. Sagt Dir die Österreichische Schule etwas?

Jo hab ich alles gelesen und wieder vergessen.

Das da oben sollte mehr son Wortwitz sein ...
Eigentum ist immer privat ( per definition )
privat und Wert sind dasselbe Konzept.
privare heißt aber quasi auch rauben.

Egal ...

Der Orwell ist glaube ich noch viel besser, als Du denkst.

Wenn die Schlaumeier behaupten, man müsse erst den Hegel verstehen, um den Marx zu lesen,
sage ich: Man muss erst den Melville lesen um den Orwell zu verstehen.

Schöner post.
Fällt mir viel leichter, über sowas auf deutsch zu schreiben.

Welchen Melville? Privare heisst nicht nur rauben, das ist nur Sarah Wagenknechts Lieblingsübersetzung. In Frankreich ist man als Kind zB "privee de dessert", wenn einem als Strafe der Nachtisch "vorenthalten" wird. Wenn ich etwas anderen vorenthalten kann, dann ist es privat, ja, und das klingt nach Eigentum. Insofern kann ich folgen :D (Und beim Witz war ich mir halt nur 99% sicher, dass es einer ist...).

Ich hab halt mein Latinum gemacht und den Ceasar übersetzt.
Und der schreibt dann da Seitenlang, wieviel 'Munition' er vom Feind 'geraubt' hat, oder wie ? Das Wort lässt sich eben nicht eins zu eins mit einem deutschen Wort ersetzen.
Man muss dazu wissen, dass das Gegenteil von privat dann public, also öffentlich ist.
Bei denen war alles was nicht privat war, erstmal automatisch res publica (Republik) - öffentliche Sache.

Melville: Moby Dick ...

Ich höre jetz auf meine Witze zu erklären, können ja nicht so besonders gut sein, wennd das nötig ist.

Ist da son Adolf in Deiner Klasse gewesen ?

:D Nee, das ist die Schule auf die sich auch Dan Larimer von Steemit beruft.
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Schule

klugschiss

Ich bin nicht so ganz informiert, wie cryptocurrency mining funktioniert, aber soweit ich weiß, basieren Verschlüsselungsprotokolle auf Primzahlen.

Bei den meisten Systemen wird heute sogenannte Elliptic Curve Cryptography eingesetzt. - Das Sicherheitsprinzip ist aber im Grunde das selbe wie bei der Primzahlen-Zerlegung: Es gibt mathematische Operationen, die in die eine Richtung trivial zu berechnen sind, deren Rückabwicklung aber (nach gegenwärtigem Kenntnisstand) nur sehr schwer durchführbar ist.
/klugschiss :p

Ich teile Deine Begeisterung, was die gemeinschaftlichen Aspekte von Steemit anbelangt. Es ist einfach mit einem guten Gefühl verbunden, jemandem per upvote Anerkennung zu zollen, im Wissen, dass dies auch mit einer formal monetären Belohnung einhergeht.
Gleichzeitig ist mit jedem upvote ja aber auch implizit die Hoffnung auf Erwiderung verbunden (selbst wenn dies im Einzelfall beim Upvoter nicht der Fall ist, wird der Belohnte dies zumindest annehmen). Daher steht in dieser frühen Phase die Netzwerkpflege im Vordergrund, aber auch das Folgen und "Verwöhnen" derjenigen, die bereits erfolgreich sind und dadurch potentiell viel zurückgeben können (entweder durch revanche-upvotes, oder dadurch, dass ein vote auf deren Beiträge entspreched viel abwirft). Das problematische daran ist, dass der Wert der eigentlichen Inhalte zunehmend zweitrangige Bedeutung hat und vielmehr die Person, die hinter einem Beitrag steht für die monetäre Belohnung massgeblich ist. Sicher kennst Du selber entsprechende Beispiele hierfür. Ein radikal anderes Konzept wäre es, Beiträge immer für sich selbst stehen zu lassen und einen Autor gar nicht in Erscheinung treten zu lassen. Dies würde vermutlich zu einer faireren und ausgewogeneren Bewertung von Inhalten führen - allerdings würde es sich dann nicht mehr um ein soziales Netzwerk handeln. Was ich sehr bedauern würde.

Das hast Du ganz hervorragend beobachtet und formuliert und an Deiner Stelle würde ich das in einen Artikel verpacken. Ich versuche momentan so wenig zu "bewerten" wie möglich. Das macht die Subjektivität begreifbarer. Wir wissen z.B. nicht, ob wir beide an dasselbe denken, wenn wir über "hochwertige" Posts sprechen. Und ja, es geht auch um menschliche Interaktion, es werden viel intensivere menschliche Emotionen wie Neid und Gier stimuliert, aber man wird vom Schwarm eben "erzogen" sich Mühe zu geben und auf andere zu achten. Egozentriker müssen bereits berühmt sein, um hier Erfolg zu haben. Alle anderen müssen sich ihre Nische erarbeiten und jetzt ist gerade Entdeckungsreise.

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