Illusion

in #deutsch8 years ago

Die Idee zu diesem Werk kam mir Ende 2010,

als ich den Dokumentarfilm Food Inc. zum ersten Mal sah. Der Film hatte mich damals so bewegt und mit einem Gefühl der Ohnmacht zurückgelassen und ich versuchte, meine Gefühle und Gedanken irgendwie visuell auszudrücken und die Ausweglosigkeit der globalen Lebensmittelindustrie darzustellen. Der Film Food Inc. Wurde 2008 gedreht, das ist jetzt 10 Jahre her.

Der Fleischkonsum ist seit dem nicht weniger geworden, sondern hat weltweit weiter zugenommen. Die industrielle Tierhaltung, mit jährlich zig Milliarden von qualvoll vernichteten Tieren ist nach wie vor Hauptbestandteil unserer Fresskultur und es hat den Anschein, dass sich da nicht wirklich viel ändern wird, vorläufig. Um unseren Fleischhunger zu stillen, werden immer neue Wege der Produktion gesucht und ganze Landstriche für die Viehzucht gerodet. Das Tier bleibt ein Rohstoff, ein Produkt, ein Objekt der Begierde. Es ist kein Lebewesen mehr, es ist ein seelenloses Stück Profit, ohne Gefühle und ohne Leben.

Ich bin kein Vegetarier, ich bin auch kein Veganer. Ich selbst bin ein Fleischfresser, ein Fleischliebhaber. Immer schon gewesen. Ich könnte mir kein Leben ohne Fleisch vorstellen, noch nicht. Ich liebe den Geschmack und das Kauerlebnis eines 700-Gramm-Steaks. Das sinnliche Erlebnis mit einem scharfen Messer in das fasrige rote Fleisch zu schneiden. Den Geruch eines gut gebratenen Stückes Fleisch oder ein gegrilltes Kotelett. Ich liebe das Fleisch zusammen mit den Soßen und den Beilagen. Ein gutes Glas Weißbier dazu, oder ein schwerer Rotwein und die Sonne scheint mir aus dem Arsch. Ohne Fleisch würde mir wirklich etwas fehlen, in meinem Ariel Werbetraum. Meine Lebenslust, meine Genusssucht wäre beschränkt. Das Fleischfressen liegt mir im Blut. Ich liebe Fleisch.

Zwar habe ich meinen Fleischkonsum schon seit Langem verkleinert und achte oft auf Qualität, aber der Blick hinter die Kulissen bleibt mir meistens verwehrt und ich kann nicht wirklich wissen, was das Tier, bevor ich es esse, erleben muss und wie es zu Tode kommt. Ich kann mir zwar gut vorstellen, wie es passiert, weil ich schon oft sah, wie Tiere in den industriellen Vernichtungslagern vernichtet werden, aber auch diese Bilder haben mir den Fleischkonsum nicht nachhaltig verdorben. Noch nicht. Ich lebe in meiner Illusion, in einer Illusion der schönen Bilder. Ich esse genau das Tier, welches glücklich und zufrieden für meinen Teller gestorben ist. Freiwillig natürlich und ohne Angst. Ein Tier aus nachhaltiger, biologischer, fairer Produktion.

Ich sehe die schönen roten Fleischstücke an der Fleischtheke und ich sehe die Werbung im Fernseher. Immer diese schönen roten Fleischstücke werden gezeigt und die glücklichen Kühe auf der Weide dazu. Ich versuche, dieses Gefühl der Illusion zu leben. Doch oft schmeckt das schöne rote Fleisch aus dem Supermarkt nicht so, wie ich es in Erinnerung habe. Es schmeckt nach Tod, nach Angst, nach Qual. Es schmeckt wirklich elend. Der Geruch ekelt mich an. Es ist zäh und trocken. Es ist der Rest eines geschundenen Lebewesens. Unwürdig es zu essen. Es ist kein Genuss es zu essen. Es kostet mich Überwindung, die Reste dieses geschundenen gequälten stinkenden Tieres in mich hineinzustopfen. Manchmal muss ich dieses ekelhafte stinkende Angstfleisch direkt aus der Bratpfanne in den Müll werfen. Ich kann es nicht verzehren, aus Ekel, es verzehrt mich.

Illusion | 2011 | Kris Kind | Digitaler Entwurf

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Illusion | Kris Kind | 2011 | Mischtechnik und Ölmalerei auf Leinwand | 120 x 80 cm



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http://www.kriskind.info

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Einfach genial! Aber die arme Kuh! :-( die ist doch auch nur ein Mensch !

Ja so ist das.

Der Hintergrund des Werks ist zwar sehr traurig, aber genau deshalb ist es absolut genial, wie du die Thematik darin humorvoll auf den Punkt bringst!

Gibts es einen zweiten Teil dieser Illusion oder lebt dieses Tier vor der Guillotine noch?
Grüsse Dich

Nein, es gibt keine Fortsetzung, es gibt nur diese eine Frage. Das Gemälde zeigt die eingefrorene Szene vor der Entscheidung. Das Tier kann sich also selbst entscheiden. Es will fressen, so muss es den Kopf unter die Guillotine legen und muss wissen, dass es irgendwann geköpft wird, vielleicht sobald der Heuhaufen aufgefressen ist, oder das Tier die Schlachtreife besitzt. Die Kuh kann sich aber auch dazu entscheiden, nicht zu fressen und einfach zu verhungern in diesem weißen leeren Raum. Beides ist Folter. Beides ist tödlich, es gibt keinen Ausweg, nur die Entscheidung, die zum selben Ergebnis führt!

Lustig aber mit klarer Aussage.
Kritik sehr gut verpackt.
Hervorragend!

Ja Humor muss immer dabei sein, das ist mir bei meiner Kunst sehr wichtig. Auch wenn es manchmal wehtut und einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Je nach Thema kann ich das absolut nachvollziehen.
Aber mit Humor erreicht man eben mehr Aufmerksamkeit und dadurch eine breitere Masse.

Ja, es ist ein Stilmittel.

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